Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799

Lieutenant auf seinen rechten Flügel. Kaum war er jedoch daselbst angelangt, als er den linken Flügel, verfolgt von feindlicher Cavallerie, gegen Feldkirch zurückeilen sah. Die französische Cavallerie war — durch das Schneegestöber den Blicken entzogen — überraschend gegen die sorglos bei Nendeln stehen gebliebene Colonne von Schan her angesprengt. Die kaiserlichen Truppen — zwei Divisionen Stain-Infanterie und eine Escadron Modena-Dragoner — ohne jede Kenntniss des Terrains, blieben, anstatt sich in den nahen Wald zu ziehen, aut der Strasse stehen, wurden geworfen und grösstentheils gefangen; die Escadron rettete sich unter beträchtlichen Verlusten; die mitgeführten Kanonen gingen verloren. FML. Hotze eilte auf den bedrohten Flügel, und wahrlich bedurfte es hier seines ganzen Muthes und seiner persönlichen Einwirkung, um grosses Unglück zu verhüten. Der Gegner war auf der Strasse rasch gegen Feldkirch vorgerückt und bemächtigte sich der vordersten Verschanzungen; und nur der vollen Energie Hotze’s, welcher die Versprengten sammelte und Alles, was an Truppen verfügbar war, entschlossen vorführte, sowie der glänzenden Ausdauer seiner Truppen, gelang es, die ihre Angriffe unaufhörlich erneuernden Franzosen abzu­wehren. Letztere gingen in eine Vertheidigungsstellung längs der liechten- stein-vorarlbergischen Grenze zurück. Mit welcher Kühnheit die Franzosen gegen die verschanzte Stellung von Feldkirch vorgingen, erhellt aus dem Umstande, dass bei ihrem letzten Vorstosse der führende Brigade-Chef mit einigen Reitern keck in die Verschanzungen sprengte und seine Infanterie auf jede Weise zum Vordringen aufmunterte. Eine Kanonenkugel nahm ihm das Leben un(d damit dem Angriffe den mächtigsten Impuls. Während die Franzosen den von Hotze zum Entsätze Auffenberg’s geführten Stoss abgewiesen und ersteren in die verschanzte Stellung an der 111 zurückgeworfen hatten, war in Graubünden die Entscheidung gefallen. Der Feind hatte in der Früh mit Macht die Stellung des rechten Flügels Auffenberg’s am linken Ufer der Landquart angegriffen und nach zweistündigem Gefechte zum Rückzuge auf Trimis genöthigt. Alle Versuche Auffenberg’s, sich bis zum Abende bei Chur zu behaupten, um dann den Rückzug auf Lenz und gegen das Engadin anzutreten, scheiterten an dem unaufhaltsamen Nachdrängen der Franzosen und an der Erschöpfung seiner Truppen. Während der General die Befehle wegen Fortschaffung der Magazinsvorräthe und Munition gab und die Zurücknahme seines in der Stellung bei Ems stehenden linken Flügels nach Chur verfügte, waren die Truppen des rechten Flügels in Unordnung zurückgeeilt. Im Begriffe, die Versprengten zu sammeln,

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