Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution

IV. Dev bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 77 bereitungen. Er schrieb daher einen grossen Theil der jüngsten öster­reichischen Erfolge in Schlesien und Glatz der Passivität der II. Armee zu und sprach sich hierüber gegen seinen Bruder nicht ohne Bitter­keit aus. Am 19. Januar theilte nämlich der König dem Prinzen Heinrich mit, es sei nicht sein Fehler, dass das Corps General-Lieutenant v. Wunsch eine Schlappe erlitten hatte, er habe gegen die Faulheit seiner Offieiere mehr zu kämpfen, als gegen die Österreicher. Er empfehle Wachsamkeit, da die Vorsicht die Mutter der Sicherheit sei. Einen neuen Unfall wolle er nicht erleben. Laut Nachrichten sollen 20 Bataillone von Prag gegen das Glatz’sche rücken und so bekomme der König plötzlich das ganze österreichische Heer auf den Hals, weil die Armee in Sachsen im Ganzen nichts thue. Es erscheine nothwendig, ohne Zeitverlust von Sachsen aus Expeditionen gegen Satz, Nollendorf oder in die Lausitz zu unternehmen. Das k. k. Heer beabsichtige durch Offensivschläge die Überlegenheit und die Initiative für den kommenden Feldzug sich zu sichern. Der König marschire mit 6 Bataillonen der Besatzung von Breslau zur Unterstützung von Glatz und werde bis 6. Februar ein Corps bei Schweidnitz vereinigt haben. Am 31. Januar ertheilte er sodann dem Prinzen den Befehl, eines der feindlichen Corps an der Grenze Sachsens zu beunruhigen und zu verhindern, Verstärkungen an sich zu ziehen, damit die Öster­reicher, welche es hauptsächlich auf Landshut abgesehen haben, gegen die Armee des Königs nicht detachiren können. Dreissig feindliche Bataillone stehen bereits an der Grenze. Prinz Heinrich antwortete, dass der Befehl des Königs zu einem Einfalle in Böhmen, in Erwägung dessen, dass 18 österreichische Bataillone in Prag, 24 gegen die Lausitz und 40 zwischen Eger und der Elbe stehen, die Eingänge schwer zu forciren, die Wege unzu­gänglich, die Gebirge mit Schnee bedeckt seien, Bedenken errege. Nichtsdestoweniger werde die königliche Weisung sofort befolgt, General-Lieutenant v. Möllendorf mit dem Commando des Invasions- Corps betraut und dieses in der Lausitz und bei Zwickau vereinigt werden. Die gesammte Artillerie der II. Armee befinde sich zur Zeit in Magdeburg und Berlin. Genannter General erhielt nun den Befehl, den linken Flügel der österreichischen Aufstellung in Böhmen zu alarmiren. Am 2. Februar brach das Expeditions-Corps in Stärke von 19 Bataillonen, 20 Escadronen aus den Winterquartieren bei Sayda in Sachsen auf und drang über das mit tiefem Schnee bedeckte Erzgebirge durch den Pass von Einsiedel über Kreuzweg und Johnsdorf gegen Brüx. Gleichzeitig unternahmen Abtheilungen des Corps Prinz Anhalt von Görlitz gegen Zittau Bewegungen, um auch in dieser Richtuug die k. k. Truppen zu beunruhigen, und je ein Corps ward bei

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