Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution
76 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. Commandant mit 24 Officieren und 762 Mann zu Gefangenen gemacht, während der österreichische Verlust sich auf 85 Mann belief. An dem nämlichen Tage gegen 9 Uhr Morgens schritt auch die vom Oberstlieutenant van der Mersch befehligte Vorhut der Colonne FML. Graf Wurmser zum Angriffe auf das von 2 Officieren und 60 Mann besetzte, mit 120 Schiessscharten, palissadirtem Graben, Benne etc. versehene Blockhaus von Ober-Schwedeldorf. Nach hartnäckigem Kampfe capitulirte die Besatzung des durch Granaten in Brand geschossenen Blockhauses. Von den drei Bataillonen, welche General-Lieutenant v. Wunsch aus der Festung Glatz unter Commando des Generalmajors v. Lengefeld zur Unterstützung des bedrängten Postens gegen Ober-Schwedeldorf gesandt hatte, wurde ein Bataillon von Theilen der k. k. Huszaren-Regimenter Wurmser und Barco Nr. 8 und 10 attakirt, zersprengt, 15 Officiere, 401 Mann gefangen gemacht und 1 Geschütz genommen. Der Verlust der Österreicher betrug 182 Mann; unter den Todten befand sich der tapfere Rittmeister Rakovsky des Huszaren-Regiments Wurmser, welcher der Erste in das vom preussischen Infanterie-Bataillon gebildete Viereck einbrach, durch einen Schuss und 11 Bajonnetstiche verwundet ward und am anderen Tage starb. Nach der Einnahme von Habelschwerdt und Ober-Schwedeldorf besetzten am 19. Januar die Österreicher die Stellung von Reinerz- Rückerts und beherrschten von da aus einen grossen Gebietstheil der Grafschaft Glatz; ihre Posten standen von Braunau über Lewin, Reinerz, Rückerts, Wilmsdorf, Habelschwerdt bis an die Grenze Mähren - Schlesiens und stellten diese Linie mittelst Verschanzungen und Verhaue zur Gegenwehr her. Die Preussen zogen sich in die festen Plätze Silberberg und Glatz zurück und die österreichischen Streifcorps, welche hiedurch freies Feld bekamen, dehnten nun ihre Unternehmungen einerseits gegen Schweidnitz, anderseits über Schömberg, Friedland, Liebau gegen Nieder-Schlesien bis in die Winterquartiere des Corps General-Lieutenant v. Ramin aus. Demzufolge wurden Schweidnitz und Glatz in Belagerungsstand erklärt und deren Festungsbesatzungen verstärkt. Die Niederlagen von Habelschwerdt und Ober-Schwedeldorf, sowie die Occupation der Grafschaft Glatz durch das Corps Wurmser hatten in dem grossen Hauptquartiere des Königs von Preussen zu Breslau eine bedeutende Verstimmung und Beunruhigung hervorgerufen. Ungeachtet dessen, dass Prinz Heinrich aus der Wiederherstellung der Verschanzungen bei Leitmeritz, Paschkopole, Bleiswedel etc., auf strenge Einhaltung der Defensive und aus der Eintheilung und Dislocation der k. k. Armee in Böhmen, wie aus den Gesprächen des Officiérs-Corps auf den baldigen Abschluss des Friedens folgerte, erblickte Friedrich II. in jeder Bewegung der Österreicher nur offensive Vor