Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 71 Strecke Leitmeritz-Ottendorf. Viele Regimentsgeschütze haben zer­trümmerte Laffeten, die Munition wurde auf Bauernwagen verladen; der Standesabgang der Armee durch die Desertion belaufe sich aut 2000 Mann. Bei der k. k. Armee, welche die Winterquartiere bezogen habe, herrsche durchgängig solcher Fourage-Mangel, dass sie keinen neuen Feldzug mehr unternehmen könne. Feldmarschall v. Loudon trage dem Prinzen den Austausch der Kriegsgefangenen an (Monate September und October). Am 22. November endlich meldete Prinz Heinrich seinem Bruder, dass bei der ihm unterstehenden Armee drei General-Lieutenants und drei Generalmajore der Infanterie sich befänden, welche in Folge ihres Alters und ihrer Gebrechlichkeit von keinem Nutzen für den Dienst und eine wahre Last seien. Einer der General-Eieutenants habe 80 Jahre, die drei Generalmajore aber stünden in einem Alter von je 70 Jahren. Bei der Cavallerie sei das nämliche Verhältniss vor­herrschend. Es war daher ganz natürlich, dass Friedrich II. bei einer solchen Verfassung seiner Streitmacht Alles auf bieten musste, Russland ent­weder als Verbündeten in den Krieg mit hineinzuziehen oder bald Frieden zu schliessen. Damit er aber für die verausgabten Kriegs­kosten Entschädigung erhalten und mit den Truppen der Kaiserin Katharina in Verbindung treten könne, war es unumgänglich noth- wendig, in Schlesien militärische Vortheile zu erkämpfen und wenigstens die beiden Herzogthümer Jägerndorf und Troppau in Besitz zu nehmen. Hiezu reichten jedoch die bisher unter den Generalen Stutterheim und Braunschweig nach dem mährisch-schlesischen Kriegs­schauplätze gesandten Verstärkungen nicht aus. Mit Ende October lagerte das Corps Stutterheim, wie bereits erwähnt, bei Jägerndorf und Gegend, das Corps Erbprinz von Braunschweig hielt Troppau mit der Umgebung besetzt. Dieser feindlichen Streitmacht stand das österreichische Heer unter Commando des FZM. Freiherr v. Elrichshausen mit dem Haupt­quartiere Heidenpiltsch in den vorerwähnten Stellungen gegenüber. Während nun der König von Preussen den Plan entwarf, das aus 18 Bataillonen, 2 Dragoner-Regimentern und 3000 Kosaken beste­hende und bei Brody sich sammelnde russische Hilfscorps von unge­fähr 16.000 Mann Stärke durch 5000 bis 6000 Mann der eigenen Truppen polnischer Nationalität vermehren, sodann durch Galizien in Ungarn eindringen und die Bevölkerung dieses Landes griechisch-orientalischer Religion aufwiegeln zu lassen, trat bezüglich der grossen Unter­nehmungen auf dem Operations-Schauplatze Ruhe ein. Im Monate No­vember wurden nur unbedeutende Gefechte geliefert. Am 9. überfielen die Vortruppen des zwischen Schatzlar und Trautenau cantonnirenden Corps FML. Graf Wurmser den preussischen Posten bei Dittersbach;

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