Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution

72 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. am 11. unternahm General-Lieutenant v. Stutterheim mit 2 Bataillonen, 7 Escadronen und 8 Geschützen von Jägerndorf eine Recognoscirung über Taubnitz gegen Lichten; am 12. führten die österreichischen Truppen auf die Stellung am Pfaffenberge zwischen Mössnig und Weiss- kirch vor Jägerndorf, wo sich der Feind verschanzt und ein Block­haus angelegt hatte, einen Angriff aus. Am 15. November traf Kaiser Josef von Böhmen in Freudenthal bei der Armee ein, besichtigte in den folgenden Tagen ihre Stellungen vor Jägerndorf, Bennisch, Gross- Herrlitz, Glomnitz, Heidenpiltsch, Lublitz, Stablowitz, Bianka, Radun, Grätz, Olbersdorf, Briesau, Wigstadtl, Zechsdorf und Herzogswald bei Hof und verfügte sich sodann am 20. November über Olmütz nach Wien, wo er am 23. ankam. Inzwischen hatten die Österreicher auf Befehl des Kaisers zwischen Weisskirch und Mössnig Verschanzungen aufgeworfen und einen Weg auf den Pfaffenberg angelegt, um behufs Beschiessung von Jägerndorf Geschütze daselbst aufzuführen. Zur Störung dieser Arbeiten griff General-Lieutenant v. Stutterheim am 20. November den österreichischen Posten bei Mössnig an, vertrieb ihn aus dem Dorfe und besetzte wieder den Pfaffenberg. Am 22. überfielen die Österreicher das in Komeise stehende preussische Bataillon. Gemäss den Weisungen des Kaisers, den Feind aus Jägerndorf zu vertreiben, verlegte FZM. v. Elrichshausen am 22. November das Hauptquartier der Armee von Heidenpiltsch nach Freudenthal und liess am 26. den FML. v. Stain mit ö‘/2 Bataillonen, 8 Escadronen und 6 Geschützen zum Angriffe schreiten. Letzterer misslang. In dem sechsstündigen Gefechte hatten die k. k. Truppen einen Verlust von 220 Mann; die Infanterie machte 50.000, die Artillerie 900 Schüsse. In Folge dieser Action verstärkten die Preussen von Neisse aus mit 4 Bataillonen und von dem bei Landshut cantonnirenden Corps General- Lieutenant v. Ramin ebenfalls mit 4 Bataillonen den bei Jägern­dorf operirenden Heerestheil. Dies setzte sie in den Stand, Rosswald, Hotzenplotz und Schlesisch- Neustadt mit Besatzungen zu versehen, um den Streifparteien der < >sterreicher auf das jenseitige Gebiet Einhalt zu thun. Auch vermehrte der Feind die Verschanzungen und Verpalissadirungen auf dem Ein­siedelberge, bei Weisskirch und auf dem Kapellenberge beträchtlich. Ausser diesen gegenseitigen Massnahmen zur Verstärkung der eigenen Stellungen fiel im Verlaufe des Monates December in Schlesien nichts Besonderes vor. Die Zuzüge an Truppen, welche das Corps General-Lieutenant v. Stutterheim bei Jägerndorf erhielt, hatte auch das k. k. Ober-Commando bestimmt, Verstärkungen von Böhmen nach Schlesien zu senden. G. d. C. v. Jacquemin befand sich seit 20. Novem- oer mit 4 Bataillonen von Leitomischl im Anmarsche; Ende December rückten unter Commando des FML. Graf Olivier Wallis die Grenadier-

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