Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution

66 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. die Stellung der Österreicher zu stark, um einen Angriff zu wagen, und zog sich dann nach Troppau zurück, wo er sein Hauptquartier etablirte. Von da aus streiften die Preussen bis Olmütz, Weisskirchen und Neutitschein und schrieben Requisitionen und Lieferungen aus. Die Schlappe, welche Generalmajor v. Knebel erlitten hatte, so wie die Besetzung von Troppau durch den Feind, bestimmten jetzt den Commandirenden, die Hauptmasse des auf 20 Bataillone, 21 Esca- dronen verstärkten Corps in der Stellung hinter der Mohra, behufs Sicherung der aus Schlesien nach Olmütz führenden Wegverbindungen auch noch ferner zu belassen, jeder offensiven Action aber sich zu enthalten. Zur Vertreibung der österreichischen Streifparteien aus der Grafschaft Glatz hatte der König aus dem Lager bei Wolsdorf am 15. August den General-Lieutenant v. Wunsch von Nachod nach Lewin- Reinerz zurückgesandt. Die Streifungen der Truppen dieses preussischen Heerführers in die nächstliegenden Ortschaften Böhmens führten mit dem Detachement des Oberstlieutenants Quosdanovie mehrere Gefechte herbei, unter denen das bei Borowa am 16. August und das bei Lewin in der Nacht zum 2. September bedeutender waren. Die Räumung Böhmens durch die beiden nach Schlesien und Sachsen abgezogenen preussischen Heere hatte dem Kriege in Mähren einen neuen Impuls gegeben. Die Kühnheit der österreichischen Streif­corps hatte den König gezwungen, im Verlaufe des Feldzuges grössere Truppenmassen nach Ober-Schlesien zu dirigiren, welche durch Be­setzung von Troppau und Jägerndorf eine Zwischenbasis auf österreichi­schem Gebiete etablirten, um im nächsten Frühjahre mit dem grössten Nachdruck in Mähren einbrechen zu können '). Indessen war der Monat September verlaufen, ohne dass auf dem Nebenkriegsschauplatze in Mähren-Schlesien wichtige und ent­scheidende Ereignisse sich zugetragen hätten. Die Hauptmacht des Feindes unter General-Lieutenant v. Stutterheim blieb bei Troppau stehen und der Commandant des österreichischen Armee-Corps in Mähren zog aus Ungarn, Polen und der Militärgrenze Verstärkungen an sich. Es war vorauszusehen, dass FML. Marquis Bottá Alles anwen­den werde, die Preussen aus dem Besitze der beiden österreichisch schlesischen Herzogthümer zu verdrängen. Die mit Schnee bedeckten Grenzgebirge boten Böhmen über den Winter Sicherheit gegen feind­liche Unternehmungen und setzten das Armee-Ober-Commando hie­durch in die Lage, Truppen von der Elbe nach der Mohra zu senden. In Erwägung dieser Verhältnisse hatte der König von Preussen, wie bereits erwähnt, am 22. September den G. d. I. Erbprinzen von *) *) „Oeuvres posthumes.

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