Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution
IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 67 Braunschweig mit 10 Bataillonen und 25 Escadronen aus dem Lager bei Schatzlar zur Verstärkung seines! schlesischen Corps detachirt. Am 30. September traf der Erbprinz über Liebau, Friedland, Münsterberg, Neisse und Hotzenplotz bei Troppau ein und übernahm den Oberbefehl über das vereinigte Armee-Corps in Stärke von 19 Bataillonen und 50 Escadronen. Zu dieser Zeit waren die Streitkräfte des FML. Marquis Bottá von 22 Bataillonen und 27 Escadronen derart zerstreut, dass in der Hauptstellung hinter der Mohra blos 9 Bataillone und 20 Escadronen sich befanden. Angesichts dieser Stärkeverhältnisse glaubte der Commandirende einen Angriff des Erbprinzen nicht abwarten zu können, ohne sein Corps, und da ein Theil seiner Infanterie den Besatzungstruppen von Olmütz entnommen war, seihst diesen wichtigen Waffenplatz einer Gefahr auszusetzen. Er verhess daher am 1. October die Mohra und erreichte am 2. die Stellung von Lode- nitz-Sedlegsko nördlich Olmütz, wo er den mit 8 Bataillonen, 12 Escadronen aus Böhmen anrückenden FML. v. Barco zu erwarten beschloss. Der Erbprinz von Braunschweig, welchem der Abzug der Österreicher nicht bekannt war, begann an dom nämlichen Tage mit 13 Bataillonen, 15 Escadronen eine Umgehungsbewegung ihrer Stellung an der Mohra über Grätz, indess General-Lieutenant v. Stutterheim mit 6 Bataillonen, 35 Escadronen zum Angriffe in der Front vorging. Am Abende bezogen die beiden Colonnen das Lager zwischen Jakubschowitz und Bohut- schowitz. FZM. v. Elrichshausen, welcher am 6. October das Commando über das auf die Stärke von 27 Bataillonen, 43 Escadronen gebrachte mährische Armee-Corps übernommen hatte, führte dasselbe in ein Lager bei Sternberg und schob starke Detachements in das Gelände von Odrau, Bärn und gegen den Pass von Zuckmantel vor. Unter dem Schutze dieser Abtheilungen traf das Corps am 10. October auf der Linie von Bautsch, Herzogwald und Heidenpiltsch ein; die leichten Truppen überschritten die Mohra hei Hartau, Generalmajor Graf Mittrowsky rückte von Friedeck nach Polnisch-Ostrau, Generalmajor v. Kirchlieim nach Schlesisch-Neustadt, Oberstlieutenant Quosdanovic gegen Frankenstein. Die Gegend um letzteren Ort gerietk durch die Nähe der Österreicher in solchen Schrecken, dass der Festungs-Com- mandant von Neisse die Kanonen auf die Wälle führen, die Inundation anlaufen und die Besatzung zwei Nächte hintereinander unter Waffen stehen liess. Angesichts der Übermacht der Österreicher und des Vorgehens ihrer Vorhut am 16. October gegen Grossherrlitz hob der Erbprinz von Braunschweig das Lager hei Jabuschkowitz auf, ging über die Oppa zurück und bezog Cantonnements bei Neisse, Kosel, Katibor, Hauptquartier in Piltsch. Vor dem Antritt dieser Rückzugsbewegung liess der preussische Corps-Commandant Troppau durch Ausbesserung der