Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Erinnerung aus der Zeit der heldenmüthigen Kämpfe der Tiroler im Jahre 1809. Josef Ignaz Straub, Winkelwirth zur Krone, k. k. Scharfschützen-Hauptmann und Landstrum-Commandant von Hall 1809

Kämpfe der Tiroler im Jahre 1809. 77 sollte, war mit Niedérreissung seines Hauses, mit Confiscation seines Vermögens, ewiger Landesverweisung und im Betretungsfalle mit sofortiger Hinrichtung bedroht. Dieser Erlass, Innsbruck vom 1. August, in französischer und deutscher Sprache veröffentlicht, wurde an den Häusern angeschlagen und verbreitet. Straub kümmerte sich um denselben nicht, sondern Hess dem französischen Marschall melden: „Derselbe möge sein Haus nur ab- reissen lassen, Se. Majestät der Kaiser würde dasselbe doch wohl wieder aufbauen.“ Rührend zu lesen ist der Briefwechsel Straub’s mit seiner braven Gattin Rosa in diesen bedrängnissreichen Tagen vom 28. Juli bis 12. August'). Der verhängnissvolle 10. August, an welchem sich das Schicksal des Kronenwirthes entscheiden sollte, brach an. Um sich des pünktlichen Erscheinens des gefürchteten Partei­gängers um so gewisser zu versichern, hatte der Feind zu wahrhaft barbarischen Mitteln gegriffen. Falls Straub sich am 10. August nicht stellen sollte, würde an diesem Tage der Bürgermeister und sodann täglich je ein Bürger gehenkt werden! In Hall gab es erregte Scenen, man fürchtete, Straub werde nicht erscheinen und die Blutsitline, welche für diesen Fall angedroht war, werde sich verwirklichen. In dieser peinlichen Lage berief Straub die angesehensten Landes- vertheidiger um sich, zog mehrere Geistliche bei und überwies ihnen die Angelegenheit zur Entscheidung. Diese lautete: er möge sich stellen. In letzter Stunde übergab Straub das Commando an seinen Adjutanten Angerer und als die Glocke die vierte Nachmittagsstunde verkündete, war er in den Händen seiner Feinde. Am ersten Tage behielt man den Gefangenen in Hall und be­wachte ihn in seinem eigenen Hause, den 11. August ward er nach Innsbruck gebracht und im Gasthofe beim Niederkirchner (goldener Adler) untergebracht. Inzwischen war der Aufstand im ganzen Lande verbreitet. Andreas Hofer schlug die Franzosen am 13. August in der Schlacht am Berge lsei entscheidend und zwang sie, das Land zu verlassen. In Innsbruck deuteten am 14. alle Anzeichen auf einen schnellen nächtlichen Abzug der feindlichen Streitkräfte. Am selben Tage aber erhielt Straub die Nachricht, dass er den folgenden Morgen auf der Höhe von St. Leon­hard bei Hall gehenkt werden solle. ‘) Publicirt durch Dr. Carl Domanig im Tiroler Kalender 1881.

Next

/
Oldalképek
Tartalom