Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Erinnerung aus der Zeit der heldenmüthigen Kämpfe der Tiroler im Jahre 1809. Josef Ignaz Straub, Winkelwirth zur Krone, k. k. Scharfschützen-Hauptmann und Landstrum-Commandant von Hall 1809
78 Straub beschäftigte sich ganz natürlich in diesen Stunden mit Fluchtgedanken. Man brachte ihn von seinem Zimmer im zweiten Stockwerke in ein Gemach des ersten herab, wo er mit mehreren anderen Gefangenen auf das Zeichen zur Abfahrt wartete. Straub hatte als Erster den Leiterwagen zu besteigen, mit dem er seine letzte Fahrt machen sollte; hier benützte er den Augenblick, wo er, die Deichsel als Tritt gebrauchend, auf derselben stand, um, statt sich in das Innere des Fuhrwerkes zu begeben, rasch entschlossen auf der andern Seite wieder auf den Boden zu springen und im Dunkel der Nacht zu verschwinden. Da sich kein anderer Ausweg bot als über die Inn-Brücke hinunter in den Fluss zu springen, führte er dieses Wagestück bei der St. Johannes-Statue aus. Glücklich erreichte er das andere Ufer, musste aber, um vor den Nachforschungen des Feindes gesichert zu sein, mehrere Stunden im Wasser zubringen. Gegen 3 Uhr Früh wagten sich einzelne Leute von Höttingen herab bis an die Inn-Brücke, Straub entstieg seinem kalten Versteck, gesellte sich zu ihnen und begab sich sofort nach dem Berg lsei in das Lager Hofer’s. Auf die Nachricht vom Abzüge des Feindes rückten die Landesvertheidiger in Innsbruck ein und Straub wurde von Hofer zur Aufrechthaltung der gefährdeten Ordnung zum Stadt-Commandanten von Hall ernannt. (15. August.) Das concentrische Vorrücken französischer Corps gegen Tirol machte dem Widerstande des hartgeprüften Landes ein Ende. Straub fand keine Gelegenheit mehr zu kriegerischer Thätigkeit, aber glücklicher als sein Waffengenosse Hofer erlebte er den Tag, wo der kaiserliche Doppelaar für immer wieder einzog in die Berge Tirols. Das Jahr 1809 hatte Straub’s Vermögen arg zerrüttet, so dass er, 1815 zum Concurs gezwungen, das Kronenwirthshaus in anderen Besitz übergehen sah. Im Jahre 1823 erhielt er eine Jahres-Pension von 500 fl. C.-M. Straub starb am 16. October 1850, 77 Jahre alt, nach langer Krankheit an den Folgen einer Verletzung an der Kniescheibe, die er sich ein Jahr vorher bei einer Kirchenfeier zugezogen hatte. Er liegt im Stadtfriedhofe zu Hall unter den Arkaden an der Südseite Nr. 52 begraben. Eine in Stein gehauene Denkschrift erwähnt in schlichter Ausdrucksweise seine Verdienste *). Den Säbel Straub’s bewahrt das Ferdinandeum in Innsbruck als Wahrzeichen eines opferwilligen, tapferen, patriotischen Mannes und edlen, charaktervollen Sohnes Tirols. ') Nach Mittheilungen des Dr. Carl Domanig.