Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Erinnerung aus der Zeit der heldenmüthigen Kämpfe der Tiroler im Jahre 1809. Josef Ignaz Straub, Winkelwirth zur Krone, k. k. Scharfschützen-Hauptmann und Landstrum-Commandant von Hall 1809
76 Erinnerung aus der Zeit der heldenmüthigen in welchem er anzeigt, dass sowohl vom Salzberg, Thaurer- und Arzler-Joch aus, des hohen Schnee’s wegen, kein Einbruch zu befürchten sei, ferner bittet er um Pulver und Blei, „dann wollen wir mit die Herrn Franzosen schon eins werden“. Tirol, das sich zweimal von seinen Feinden befreit hatte, lief bald neuerdings Gefahr, den verbündeten Franzosen und Bayern zum Opfer zu fallen. Nach dem Waffenstillstände von Znaim (12. Juli) beorderte Napoleon den Marschall Lefebvre, von Tirol Besitz zu ergreifen. Um jeden Widerstand unthunlich zu machen, sollte es mit 50.000 Mann von allen Seiten angegriffen werden. Gleichwohl widersetzten sich die Tiroler dem Eindringen des Feindes mit Gewalt, und so finden wir Straub wieder mit seiner Compagnie Ende Juli zu Strass am Eingänge in’s Zillerthal stehen, um dem Einmärsche der Bayern entgegenzutreten. Straub war seinen Feinden aus früheren Tagen noch in ganz lebhafter Erinnerung, sie kannten und fürchteten seine Person und bedrohten ihn mit dem Galgen. Von Freunden und Gönnern wurde er zwar vielfach, aber stets vergebens aufgefordert nach Österreich zu gehen, wozu ihn namentlich der Unterintendant Boschmann und Oberst Graf Taxis zu bewegen suchten, „Se. k. k. Majestät werde ihn in Wien gewiss für seine treu geleisteten Kriegsdienste kaiserlich belohnen; — die Bauern aber schimpften ganz ausserordentlich über die Landesübergabe und erklärten öffentlich, sie lassen ihren Commandanten Straub nicht aus dem Landl *)“. Straub blieb in Tirol und hielt sich mit seinen Bauern in Volderer- berg und Umgebung auf. Am 30. Juli, 1 Uhr Nachmittags, rückten die Bayern in Innsbruck ein; Straub berief mehrere Schutzmänner und Ausschüsse zu sich, welche beschlossen, die Vertheidigung des Landes fortzusetzen und „lieber Alle über die Klinge zu springen, als sich noch einmal dem bayerischen Joche zu unterwerfen“. Straub hielt seine Leute im Watten-, Volderer- und Navis-Thale versammelt, besorgte Lebensmittel, Pulver, Blei und harrte kühnen Muthes der Angriffsordre des Ober-Commandanten Hofer entgegen. Mittlerweile setzte General Lefebvre Alles daran, Tirol zu unterwerfen. Er erliess strenge Befehle, dass alle Waffen abgegeben und die Verzeichnisse aller Schützen-Compagnien eingeliefert würden; zugleich befahl er allen tirolischen Commandanten, bis zum 10. August in seinem Hauptquartier zu erscheinen und sich vor ihm zur Verantwortung zu stellen. Andreas Hofer war in dieser Aufforderung als der erste, Straub unmittelbar danach genannt. Wer nicht Folge leisten ’) Lebensbeschreibung, von Straub selbst verfasst, im Landesmuseum zu Innsbruck.