Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Erinnerung aus der Zeit der heldenmüthigen Kämpfe der Tiroler im Jahre 1809. Josef Ignaz Straub, Winkelwirth zur Krone, k. k. Scharfschützen-Hauptmann und Landstrum-Commandant von Hall 1809

platz zur Ausführung des Hauptunternehmens: „Hall den Feinden zu entreissen“. Auf den Höhen umher, am rechten Inn-Ufer beim Judenstein, gegen Axams und Natters die Hochstrasse entlang, wurden um 7 Uhr Abends des 11. die ersten Signalfeuer angezündet; nach Mitternacht brannten ihrer schon viele hunderte, von Weibern und Kindern ange­schürt und unterhalten. Ein grauenvoller Anblick für die Bayern in Hall, die von dorther den Angriff vermutheten und deshalb die südlich gelegene Inn-Brücke stärker besetzten, indessen Speckbacher bei der Morgendämmerung auf der entgegengesetzten Seite vor den Stadtthoren lauerte und mit dem Ave Maria-Läuten in die Stadt stürzte, deren er sich nach kurzem Kampfe bemächtigte. An den Thoren wurden gegen 20, an der Brücke 60 Mann gefangen; in den vorher erkundschafteten Quartieren und Casernen die Officiere, Alles in Allem circa 400 Mann *). Zu Hall vereinigte sich Speckbacher mit seinem Kampfgenossen, dem Schützen-Hauptmann Straub, dem er daselbst das Platz-Commando anvertraute. Beide Commandanten, besonders Straub, waren nun vor Allem darauf bedacht, bei ihren siegestrunkenen Mannschaften so viel als möglich Ordnung zu erhalten, die öffentlichen Cassen zu bewachen, die bayerischen Beamten, die Gefangenen zu beschützen, Verwundete zu pflegen, und die abgenommenen Waffen unter die Landstürmler vertheilen zu lassen. Eine Abtheilung Cavallerie, die unter Major Graf Erbach über die Mühlauer Brücke aus Innsbruck nach Hall entkommen war, fiel gleichfalls Speckbacher und Straub in die Hände. Die Nachricht von einem französischen Succurse aus Italien über den Brenner her zog alle streitfähigen Männer nach Innsbruck, wohin auch Speckbacher und Straub sich begaben und die Ellbögner Strasse, die Sill-Brücke und die waldigen Anhöhen des Ufers am Morgen des 13. besetzten. Charakteristisch ist der Bericht, den Straub über diese Ereignisse an Kaiser Franz einsandte und der als Beispiel der urwüchsigen Anschauungen jener Mederben Bergessöhne seinem Wortlaute nach hier Platz finden mag2): ’) Der bayerische Lieutenant von Merkel, der an der Brücke mit 60 Mann standhaft aushielt, wollte von einer Ergebung nichts wissen und sank alsbald ver­wundet zu Boden. Ein Beweis, wie man in Tirol den Muth und die Tapferkeit am Feinde zu achten versteht, gibt die Handlungsweise des braven Wirthes Straub, der sich des Verwundeten sogleich annalnn, ihn in seinem Hause von einem geschickten Arzte verbinden liess und überhaupt derart pflegte, dass der heldenmüthige Kriegs­mann zur Freude seines Pflegers in kurzer Zeit wieder hergestellt war. 2) Kriegs-Archiv 1809. Corps Chasteler; Fase. IV, ad 30. 72 Erinnerung aus der Zeit der heldenmüthigen

Next

/
Oldalképek
Tartalom