Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Erinnerung aus der Zeit der heldenmüthigen Kämpfe der Tiroler im Jahre 1809. Josef Ignaz Straub, Winkelwirth zur Krone, k. k. Scharfschützen-Hauptmann und Landstrum-Commandant von Hall 1809

Kämpfe der Tiroler im Jahre 1809. 71 Speckbacher, „der Mann von Rinn“, spielte dabei in Bezug auf kriegerische Klugheit und männliche Thatkraft die Hauptrolle. Immer- mehr entwickelte sich der Aufstand unter seiner rastlosen Thätigkeit; am 7. April lief von Hofer die Botschaft ein: „es sei Zeit“. Die ver­abredeten Signale wurden allerorten gegeben und Proclamationen ver­breitet. Am 8. wanderte Speckbacher nach Innsbruck, um dort die Posi­tion und Stärke der Garnisonstruppen auszuspähen. Am selben Tage schwamm ein von den Verschworenen in den Inn geworfenes Brett mit einem rothen Fähnlein den Fluss hinab, um die Dörfer an beiden Ufern, bezüglich die von diesen aufgestellten Wächter zu benachrichtigen. In der Nacht auf den 9. loderten auf mehreren Innthaler Berg­spitzen Kreidenfeuer auf, auch warf man Mehl und Sägespäne in die Wellen des Flusses, um damit anzukündigen, dass der Augen­blick des Kampfes gekommen sei. Am 9. unternahm Speckbacher mit günstigem Erfolge das Aus­kundschaften bei Hall. Um dies zu erzielen, mussten die verdoppelten Wachen getäuscht werden, er stellte sich trunken und es glückte ihm, seine Absichten vollkommen zu erreichen. Den 10. benachrichtigte er die Landleute am rechten Inn-Ufer, was zu thun sei, und schon am folgenden Tage begann der Waffengang. Die Bayern wollten bei Axams am Paschberge Contribution eintreiben; die bewaffneten Bauern widersetzten sich; Speckbacher kam ihnen mit der Mannschaft zweier Dörfer zu Hilfe. Den ganzen Tag über dauerte das Gefecht, bis endlich die Bayern gezwungen wurden, sich zurückzuziehen. Eilend zog noch am Abende Speckbacher mit dem Aufgebote von Tulfes und Rinn über Ampas nach der Volderser Brücke und griff diese an. Vor dem Dorfe und dem Servitenkloster liess er Andreas Angerer, Wirth zu Volders, zurück. Im Kloster vertheidigten sich die Bayern. Speckbacher rietli Angerer, schnell alles Schiessen einzustellen, welches in der Dunkelheit die eigenen Stellungen verrathen würde und zum Sturme zu schreiten. Ein umgehauener, von 60 Tirolern gleich einem Mauerbrecher gegen die Klosterpforte gebrauchter Baumstamm, machte diese aus ihren Angeln weichen, — das Kloster fiel in die Hände der Landes- vertheidiger. Nicht länger hier verweilend, setzte Speckbacher in einer Plätte über den Inn und richtete seinen Weg über Terfens, Fritzens, Baum­kirchen, Mils nach Absam. Die Einwohner von fünf Ortschaften folgten ihm. Nach Thauer schickte er Boten ab, die Leute gleichfalls zu sich zu entbieten. Zu Absam, wo das „wunderthätige“ Madonnenbild schon 1797 „Kriegsnoth und Viehseuche abwendete“, war der auserkorne Sammel-

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