Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
mit besonderer Bercttksiclitigung der Schlacht hei Torgau. 41 mehr Herr werden konnte, zur Capitulation, in Folge welcher Wittenberg am 14. October an die Reichsarmee übergeben wurde. Die aus 1500 Mann bestehende Besatzung wurde kriegsgefangen gemacht. 15 Fahnen, 37 Geschütze und bedeutende Vorräthe von Munition bildeten die sonstige Kriegsbeute. Die ganze mittlere Elbe befand sich jetzt in den Händen der Verbündeten. XIII. Der Zug nach Berlin. Wir haben die russische Armee bei Herrnstadt verlassen. Daselbst stand sie 17 Tage unthätig und liess - das preussisclie Corps unter Goltz, so gut wie unbelästigt, an ihrer Front vorbei über Koeben nach Glogau ziehen. Bei letzterem Orte angelangt, hatte General-Lieutenant Goltz 4 Bataillone an sich gezogen, am 6. September aber General-Major Werner mit 3 Bataillonen, 7 Escadronen zum Entsätze des seit 26. August von russischen Truppen unter Mitwirkung der russischen und schwedischen Flotte belagerten Colberg abgesendet, ohne dass sich Soltikoff darum kümmerte. Erst am 11. September setzte sich die russische Armee, deren Oberbefehl am 12. in Folge der Erkrankung des Marschalls an Fermor überging, wieder in Marsch, und erreichte am 19. Karolath (10 Meilen [76km| in 9 Tagen), woselbst Vorbereitungen zum Flussübergange getroffen wurden. Um den bisher über Posen gehenden Nachschub, im Falle des Zustandekommens der in Aussicht genommenen Unternehmung gegen Berlin, auf der directen Linie von der Weichsel gegen Frankfurt a. d. Oder einleiten zu können, sandte man von hier aus General Olitz mit 6 Infanterie- und 2 Cavallerie - Regimentern, bei 9000 Mann mit 56 Geschützen, nach Driesen an der Netze ab. Am 22. September wurde das auf die erwähnte Unternehmung bezügliche Übereinkommen mit der österreichischen Heeresleitung perfect und am 26. setzten sich die zur Ausführung derselben bestimmten russischen Streitkräfte in Bewegung. In demselben Augenblicke machte sich aber das Versäumniss fühlbar, welches die russischen Führer begangen hatten, indem sie es unterliessen, Goltz unschädlich zu machen, als sich die Gelegenheit dazu bot. In Folge der Anwesenheit dieses preussischen Corps bei Glogau fand es Fermor jetzt für nothwendig, den Rücken der gegen Berlin abmarschirenden Armeetheile durch zwei Divisionen an der Lausitzer Neisse, bei Guben, durch die dritte Division aber seinen vorläufig noch von Posen kommenden Nachschub bei Krossen decken zu lassen, so dass für die eigentliche Operation nur ein unter Tott- leben’s Befehl gestelltes Streifcorps von 8 Reiter-Regimentern und 2000 Grenadieren mit 20 Geschützen, und die Avantgarde der Armee