Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

42 Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien unter Czernitschew, 12 Bataillone, 23 Escadronen, verfügbar blieben. Kisterein General batte man die Hauptrolle zugedacbt; Czernitschew sollte zu dessen Unterstützung folgen. Damit war die ganze Unternehmung von vornherein von dem Range einer entscheidenden Operation zu demjenigen eines Streifzuges herabgedrückt, und wäre ohne das Eingreifen des österreichischen Corps unter Lacy, wie das Folgende zeigen wird, wahrscheinlich ganz resultatlos geblieben. Tottleben hoffte in Berlin nur geringen Widerstand zu finden, und um die Ehre der Eroberung allein davonzutragen, sehen wir ihn in den nächsten Tagen mit einer Raschheit vorgehen, die bei der damaligen russischen Armee eine eben so wenig gekannte als geübte •Sache war. Schon am Mittag des 3. October stand er vor Berlin (30 Meilen [227‘6km] in 8 Tagen), und schritt auch sofort zum Angriffe. Die Stadt war am linken Spree-Ufer mit einer Mauer umgeben, vor deren Thoren man in aller Eile Fleschen aufgeworfen hatte; am rechten mit einer Palissadirung. Die Garnison bestand nur aus 3 Batail­lonen. Trotzdem wurde Tottleben’s Angriff abgewiesen, wonach dieser am 4. auf Köpenick zurückging. Czernitschew war unterdessen am 3. in Eürstenwalde eingetroffen und eilte auf die Nachricht von Tott­lebens Misserfolg am 5. October mit 10 Bataillonen und seiner sämmt- lichen Cavallerie herbei. Aber auch die Vertheidiger Berlins erhielten Verstärkungen. Auf die Nachricht von der der Hauptstadt drohenden Gefahr war nämlich zunächst der seit 30. September gegen die Schweden commandirende General-Lieutenant Prinz von Württemberg am 3. Octo­ber mit seinem Gros, 9 Bataillonen, 7 Escadronen, von Templin (9 Meilen [68'3km] n. Berlin) aufgebrochen und bereits am 4. in Berlin eingelangt. Desgleichen hatte sich das am 5. bei Beelitz angekommene Corps Hülsen in Folge derselben Nachricht sofort gegen Berlin gewendet, wo es am 7. October eintraf. Als daher Czernitschew und Tottleben am letztgenannten Tage, und zwar Ersterer am rechten, Letzterer am linken Spree-Ufer, den Angriff auf die Stadt erneuerten, konnten sie keinen entscheidenden Erfolg erzielen. Auch das Eingreifen von 40 Escadronen österreichi­scher Cavallerie unter FZM. Lacy vermochte das Resultat des Tages nicht mehr wesentlich zu beeinflussen. Am Abend des 7. stand Czernitschew bei Lichtenberg (3km ö. Berlin), Tottleben wieder bei Köpenick, Lacy’s Cavallerie bei Gr.-Ziethen (1% Meilen [ 13'3km] s. Berlin). Das Gros des österreichi­schen Corps hatte Zossen erreicht. Hülsen stellte sich, bei Berlin eingetroffen, zwischen der Stadt und Tempelhof (*/, Meile [3’8km] s. Berlin) auf, und der Prinz von

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