Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

-—­aufgebrochen war, um den Herzog von Sachsen - Gotha zur Unter­werfung zu nöthigen. Ausserdem befand sich ein Corps württembergischer Truppen unter des regierenden Herzogs eigenem Befehl im Anmarsche, welches dieser gegen kaiserliche Subsidien in’s Feld stellte. Dasselbe zählte 16% Bataillone, 22 Escadronen, mit einem Stande von circa 11.000 Mann. Die aus 8 Bataillonen, 3 Grenadier - Compagnien bestehende Besatzung Dresdens, etwa 5000 Mann mit 14 Regiments - Geschützen, war der Reichsarmee gleichfalls überwiesen worden. Nach dem Operations-Plane fiel der letzteren nunmehr die Aufgabe zu, die Abwesenheit des Königs zur Eroberung Sachsens zu benützen. Ihr gegenüber standen unter General-Lieutenant Hülsen 18 Batail­lone, 26 Escadronen in dem verschanzten Lager bei Meissen, % Bataillon zu Riesa, endlich 1 Bataillon, 2 Escadronen unter General-Major Salemnon in der Gegend von Leipzig; in Summa 19% Bataillone, 28 Escadronen, mit einem Stande von beiläufig 13.000 Mann ') und etwa 70 Geschütze. Ausserdem befanden sich in Leipzig, Torgau und Wittenberg je drei Bataillone Besatzung. Nachdem sie 11 Tage unthätig geblieben, setzte sich die Reichs­armee am 14. August endlich in Bewegung, und manövrirte zunächst Hülsen durch Umgehung seines rechten Flügels aus der Stellung bei Meissen heraus. Am 16. ging Letzterer gegen Strehla zurück und verschanzte sich daselbst neuerdings. Hier griff ihn die Reichsarmee mit Tagesanbruch des 20. August an. Aber nur der vorzugsweise aus österreichischen Truppen gebildete linke Flügel derselben, welcher gegen die preussische rechte Flanke vor­gegangen war, kam zum Gefechte. Er vermochte trotz einiger erlangter Vortheile keine eigentliche Entscheidung herbeizuführen, weil das gegen die Front Hülsen’s vorrückende Gros unthätig blieb. Das Gefecht endete gegen 8 Uhr Früh. Ein Theil der Reichstruppen setzte die Umgehungsbewegung gegen Schöna (1% Meile [9‘5kmj w. Strehla) fort, und dies machte Hülsen schliesslich um seinen Rückzug besorgt, so dass er um 1 Uhr Nachmittags gegen Torgau abzog. Der Reichsarmee kostete dieses Gefecht bei 1800 Mann. Der preussische Verlust betrug 25 Officiere, 1038 Mann und 3 Kanonen. Am 22. August rückte die Reichsarmee nach Belgern, zugleich traf das Corps Luszensky in Eilenburg ein. Von da an bemühte sich der Herzog von Zweybrücken durch längere Zeit, Hülsen aus seiner Stellung bei Torgau herauszu- manövriren. 1 38 Der Feldzug* 1760 in Sachsen und Schlesien 1) Nach Angabe des preussischen Generalstabs-Werkes hatten die bei Meissen stehenden Truppen Hülsen’s nur einen Stand von 11- bis 12.000 Mann.

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