Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

414 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. wäre sie zusammengebrochen. Der entbrennende Kampf würde der kritischeste unter allen werden und die vorangegangenen an Grausamkeit weit überbieten. Er würde Österreich verheeren und dessen Finanzen zerrütten. Gewiss werde der König nach einer Schlacht, oder nachdem er sich durch Märsche und Contremärsche erschöpft, zu einem Arrangement zu gelangen suchen. Der Krieg sei unausbleiblich und was für einen Ausgang könne er noch nehmen? Der Kaiser vermöge die Fatiguen des Körpers und des Geistes fünf Monate lang nicht zu ertragen, wenn sie so sein sollten, wie in den letzten drei Monaten. Lacy liege krank darnieder, Loudon könnte es nicht länger aushalten und der beleibte Hadik noch weniger. Er sei daher wenig unterstützt und ein Mensch allein könnte nicht 50.000, geschweige denn 200.000 Mann übersehen und bewegen. Der Verlust aller Schlachten der Österreicher, ja selbst die Folgen der gewonnenen, wurden hiedurch gekennzeichnet. So oft die kaiserlichen Soldaten gut geführt wurden, erfüllten sie immer ihre Pflicht. Drei Theile der Armee des Kaisers bestünden aus Recruten oder Mannschaften, die noch keine Kriegserfahrung haben und die erst an den Krieg gewöhnt werden müssten. Sei es aber gerade nicht das Charakteristische in der Kriegführung des Königs, dass er un­mittelbar nach Eröffnung der Feindseligkeiten eine Entscheidungs­schlacht liefere? Schliesse man daher den Frieden; der District von Bayern sei sicherlich der schon gemachten Auslagen, der Mühen und Anstrengungen nicht werth, welch’ letztere auf die Dauer weder der Kaiser, noch sein grosser Generalstab werde ertragen können. In seiner Erwiderung auf die Briefe der Kaiserin-Mutter vom Monat Juni kommt Josef II. wiederholt auf die früher gemachten Bemer­kungen zurück, dass nur durch Festigkeit allein etwas erlangt werden könne. Da man schon so viel gethan, wäre es unverzeihlich und von den abträglichsten Folgen für das Ansehen der Monarchie, jetzt zu wanken und sich den Dictaten Preussens zu fügen. Es erscheine nicht glaub­würdig, dass der König jemals angreifen werde, denn ein solcher Entschluss könnte ihm theuer zu stehen kommen. Ungeachtet dessen Hessen verschiedene Nachrichten erkennen, dass der Vormarsch des Gegners demnächst bevorstehe. Indessen sei Alles zu seinem Em­pfange bereit und es wurden auch bereits die Vorkehrungen für die gegen die Lausitz zu nehmende Aufstellung getroffen (6. Juni). Es sei gewiss, dass General Möllendorf mit 12.000 Mann über Cottbus gegen Bautzen im Anzuge sich befinde. Nach Schlesien sei für Jedermann der Zutritt verboten. Diese Anordnung wurde vom König stets getroffen, bevor er die Armee in Marsch­bewegung setzte. Er — der Kaiser — lasse daher den Herzog Albrecht und den General Jacquemin ebenfalls aufbrechen und werde,

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