Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 415 sobald ersterer bei Königgrätz angelangt, die Armee in westlicher Richtung gegen die Iser rücken lassen, um der Lausitz näher zu stehen (8. Juni). In einem mit den vier Feldmarschällen: Herzog Albrecht, Lacy, Loudon und Hadik abgehaltenen Kriegsrathe wurde beschlossen, gleich nach dem Eintreffen der Truppen des Herzogs die innehabenden Stellungen der Armee zu ändern und gegen die Lausitz aus dem grossen Hauptquartier in Sobotka vorzurücken (16. Juni). Es unter­liege keinem Zweifel mehr, dass für den Fall, als Österreich fest bleibe und die Dinge bis zum Äussersten kommen lasse, der König noch Mittel finden werde, nachzugeben und es so in die Lage zu setzen, mit Ruhm aus dem bayerischen Erbfolgestreite hervorzugehen. Es wäre entsetzlich, nach so grossem Aufwande an Geld und Mühe und nach Zusammenziehung einer so schönen Armee eine schmäh­liche Convention abzuschliessen, — ein Übereinkommen, das viel entehrender und nachtheiliger wäre, als der Verlust einer Schlacht (18. Juni). Es war vorauszusehen, dass der König alle möglichen Demonstrationen, wie Zurückberufung seiner Minister, Bewegungen mit den verschiedenen Heerestheilen etc. veranstalten, aber doch nicht den Krieg beginnen werde. Dass es überhaupt zu einem Zusammen- stosse der beiderseitigen Waffenmacht kommen werde, sei mehr zu bezweifeln und nicht eher zu glauben, bis dieser Fall nicht wirklich eingetreten. Österreich müsse aber unerschütterlich fest bleiben und über die Ausgleichsverhandlungen mit dem Könige in keine Détails ein- treten. Gewiss sei der Krieg ein grosses Übel, aber ein noch weit grösseres wäre es für einen Staat, im Unrechten Augenblicke nach­zugeben (24. Juni). Obgleich alle Umstände den Krieg für unver­meidlich erscheinen und eine förmliche Kriegserklärung bald erwarten lassen, so sei man doch noch nicht gänzlich überzeugt, dass dies der ausgesprochene Wille Friedrich’s II. sei. Der König sei gewiss über die Art und Weise, wie er behandelt wird, wüthend, aber nichts­destoweniger werde er aus der Affaire herauszukommen trachten, wenn sich ihm hiezu ein Mittel biete. Die k. k. Armee werde in ihrer gegenwärtigen Stellung den Angriff des Königs abwarten und dorthin rücken, wohin sie die Gefahr rufe. Vom rechten Flügel (Corps Herzog Albrecht) sowie vom linken Flügel (Corps Fürst Liechtenstein) und von der Vorhut bei Gabel und Reichenberg sind je zwei Märsche bis zu der Hauptmasse des Heeres bei Jungbunzlau an der Iser. Die Kaiserin könne mit Bestimmtheit darauf rechnen, dass hin­sichtlich der Wachsamkeit nichts versäumt und der Kaiser bestrebt sein werde, Alles in Dienstbellissenheit zu erhalten. Mit gutem Willen werde man der Monarchin Ehre machen, aber verhehlen dürfe man nicht, dass die Überlegenheit der Zahl noch immer auf preussischer Seite sei. In Kurzem werden die Würfel gefallen und entschieden sein, ob Österreich binnen acht Tagen in den Krieg gerathen oder 29*

Next

/
Oldalképek
Tartalom