Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
36 Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien Flanke in der Richtung auf Landshut abzugewinnen. Allein die Österreicher kamen ihm zuvor. Laudons Geschützfeuer und wiederholte Reiterangriffe auf die preussische Nachhut zwangen den König schliesslich zum Einstellen seiner Bewegung, und die österreichischen Streitkräfte gruppirten sich bis zum Abend, wie aus der Skizze auf Tafel II ersichtlich. Die Gelegenheit schien gekommen, den neuerdings erfiossenen Befehlen der Kaiserin zum Beginn der Offensiv-Operationen und zum Angriffe auf den König zu entsprechen, aber ausser einer Kanonade, welche sich am Morgen des 12. September bei Hohen-Petersdorf zwischen der Reserve Daun’s und dem Corps Beck einerseits und dem preussischen linken Flügel anderseits entspann, geschah nichts, was auf eine derartige Absicht des Feldmarschalls hingedeutet hätte. Am 16. September endlich schien Daun entschlossen, den König am folgenden Tage anzugreifen, wenigstens beauftragte er Lacy mit der vorläutigen Verfassung einer Angriffs-Disposition, berief am Nachmittage die höheren Generale in’s Hauptquartier nach Adelsbach *) und sprach auch in einem Briefe au Kaiser Franz, welcher vom 16. datirt ist, von der bevorstehenden Actiona), allein König Friedrich liess dem Marschall keine Zeit zur Ausführung. Schon am frühen Morgen des 17. September hatte Ersterer sich in Bewegung gesetzt, diesmal um die Erreichung seiner Absicht, die österreichische Armee nach Böhmen zurückzudrängen, durch Umgehung ihres rechten Flügels und Besetzung der Gegend von Waldenburg zu erzielen. Über Hohenfriedeberg marschirend, zog die preussische Armee an der österreichischen Front hart vorüber gegen Kunzendorf, wo König Friedrich die Höhen gewinnen wollte. Hier wurde er aber von der herbeieilenden Reserve Daun’s abgowiesen, ebenso bei Bögendorf, und erst gegen Burkersdorf zu gelang es ihm, die Höhen trotz des Widerstandes der Corps Ried und Jahnus zu erreichen. Nach einem sechzehnstündigen Marsche bei Hohen-Giersdorf (l’/4 Meile [9‘5km| sw. Schweidnitz) angelangt, zwang ihn die Erschöpfung seiner Truppen zum Einstellen der Bewegung. Das Geschützfeuer und die partiellen Gefechte hatten fast den ganzen Tag gedauert und beiden Theilen erhebliche Verluste verursacht. Dieselben betrugen auf preussischer Seite bei 1000 Mann und 1 Geschütz, auf österreichischer Seite 767 Mann und 14 Geschütze. Von der kaiserlichen Armee standen am Abend das Corps Bock bei Freiburg, das Hauptcorps Daun’s zwischen Kunzendorf und Seitendorf (1 Meile [7-5k,n] s. Freiburg), Ried vor dessen rechtem Flügel; Laudon ’) Kriegs-Archiv, 1760, Fase. IX, 70, Feld-Acten der Hauptarmee. 2) Kriegs-Archiv, 1760. Fase. IX, 17, Cabinets-Acten.