Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 395 Heeres eingehenden, und damit nicht in Widerspruch stehenden Nachrichten bestärkten den obersten Kriegsherrn in seinen Anschau­ungen und liessen ihn auf den unmittelbaren Eintritt der unter dem Oberbefehle des Königs stehenden Streitkräfte in die Action, durch die Invasion Böhmens und Zersprengung der in diesem Königreiche sich sammelnden Truppentheile, schliessen. Eröffnung neuer Unterhandlungen während der Concen- trirungs-Bewegung der Heere. Um einerseits der Überraschung des k. k. Heeres während seiner Concentrirungs-Bewegung zuvorzukommen und anderseits den Wei­sungen der Kaiserin Maria Theresia Folge zu leisten, einen letzten einlenkenden Schritt zur Erhaltung des Friedens zu machen, fand sich der Kaiser bestimmt, mit neuen Vorschlägen an den König von Preussen heranzutreten und den bereits zerrissenen Faden der Unter­handlungen wieder anzuknüpfen, bis eine hinlängliche Macht auf dem Kriegsschauplätze vereinigt wäre. Wie gerechtfertigt die Besorgnisse und die demzufolge vom Kaiser unternommenen Schritte waren, geht aus seiner Correspondenz mit der Kaiserin hervor. Am 12. April schreibt Maria Theresia an Josef II.: „Der Curier aus Russland hat nach dreiwöchentlichem Ausbleiben keine Antwort erhalten, weil man in Petersburg die uns zu gebende Antwort vom Könige erwartete. — Wir stehen allenthalben ohne Hülfe und der einmal entbrannte Krieg wird Alles sich erklären und Partei ergreifen sehen. — Ich habe Kaunitz gesprochen; er scheint nachden­kender geworden zu sein ; Grund dazu wäre allerdings auch vorhanden. Die bezüglich der Truppen in den Niederlanden ertheilten Befehle befriedigen den Staatskanzler, da sie im Reiche mit Furcht vernom­men werden. — Ihre Abreise hat eine Lücke und unglaubliche Traurigkeit überall zurückgelassen; Sie können beurtheilen, was eine Mutter in meinem Alter empfinden muss, der man zwei Söhne und einen Schwiegersohn entrissen. Wie oft denke ich nicht an jene armen Frauen, denen man mit Gewalt ihre Kinder genommen, in- dess die meinigen freiwillig gehen und so gut, als es sein kann, geschützt sind, und doch fehlen sie mir, um mich zu unterstützen. Welch’ hässliches Handwerk ist nicht das des Krieges für die Hu­manität und das Menschenglück.“ Am 18. April berichtete der Kaiser aus Königgrätz über die Lage der Armeen an seine kaiserliche Mutter wie folgt: „Loudon ist hier angekommen und wir hielten die erste Militär- Conferenz ab, aus der ich mit grossem Kummer entnahm, dass unsere Dispositionen weit entfernt sind, auf jenem Punkte zu stehen, auf dem ich sie gewünscht hätte. Wir sind noch in Allem zurück und ich bin gezwungen, mich von hier geraden Weges nach Prag zu begeben, um

Next

/
Oldalképek
Tartalom