Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

394 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. mit der Elbe parallel laufenden Höhen zur Flussvertlieidigung und trug daher FZM. v. Elrichsliausen auf, an den äussersten Abfällen derselben gegen die Elbe von Plotist bis Semonitz, an den Übergangs. punkten, Erdwerke und bei Smiritz ein verschanztes Lager aufzu­werfen. Am 6. Mai nahm Se. Majestät die Gegend von Königinhof, Neu-Paka, Lomnitz, Turnau und Liebenau in Augenschein, bezeichnete bei Kirchberg eine Position für ein Corps und bei Wartenberg, süd­östlich Gabel, eine Stellung für eine Armee, die mit dem rechten Flügel an die Teiche von Wartenberg und mit dem linken Flügel an Tolzenberg sich anlehnen und die Strasse Zittau-Gabel-Niemes-Jung- bunzlau decken sollte. Während der Recognoscirungsreise des Kaisers hatte FZM. v. El- richshausen gemeldet, dass der König von Preussen am 25. April eine Erkennung der Gegend von Rosenbusch unternommen habe. Die aus Sachsen eingehenden Berichte stellten die Anlage von Armee- Magazinen bei Chemnitz, Freiberg, Dresden, Meissen, Strehla und Torgau ausser Zweifel; bei letzterem Orte träfen viele mit Mehl, Hart­futter und allerlei Kriegsvorräthen beladene Schiffe von Magdeburg auf der Elbe ein und würden weiter nach Dresden geschafft. In Sachsen verbreite sich überhaupt das Gerücht, es würde ein Theil der Armee des Prinzen Heinrich, zu der die preussischen Regimenter aus Geldern und Westphalen bei Naumburg in Thüringen stossen, über Plauen und Eger in Bayern einfallen und der Rest seiner Streitki’äfte mit den Sachsen bei Dresden sich vereinigen. Der Kaiser trug daher dem österreichi­schen Gesandten in Dresden, Freiherrn Knebel v.Katzen-Elnbogen, ferner dem Festungs-Commandanten in Eger, General-Major Schönowsky, endlich dem Vorstande der Reichswerbung in Frankfurt a. M., FZM. v. Ried, und dem Commandanten der k. k. Truppen in Bayern, FML. v. Gemmingen, auf, bezüglich der umlaufenden Gerüchte über die In­vasion Bayerns Erkundigungen einzuziehen und für eine solche Even­tualität die entsprechenden Massnahmen zu treffen. Feldmarschall Herzog Albrecht aber wurde angewiesen, von dem mährisch schlesischen Corps sofort 12 Bataillone und 3 Cavallerie-Regimenter unter Commando des G. d. C. v. Jacquemin nach Böhmen abrücken und zwischen Leitomischel und Hohenmauth, behufs Verbindung mit der Haupt­armee, Aufstellung nehmen zu lassen. Als Ersatz für diese Truppen wurden einige Regimenter aus Polen nach Mähren-Schlesien beordert. Aus den Niederlanden wurde ein Belagerungs-Artillerie-Train von-84 Ge­schützen zur Armee gezogen. Gleich bei seinem Eintreffen in Olmütz hatte der Kaiser, die Unfertigkeit der eigenen Kriegsrüstungen erkennend, der Besorgniss sich hingegeben, dass die Kriegsanstalten in Preussen einen bedeuten­den Vorsprung gewonnen haben könnten. Die von jenseits der Grenze über die Marsch- und Concentrations-Bewegungen des preussischen

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