Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 393 Kaiser Josef II. am 17. April in Königgrätz ein, wo ihn Feldmarschall v. Loudon zur Berichterstattung erwartete. Um diese Zeit waren schon die meisten hei der Armee eingerückten Regimenter mit den Bespan­nungen der Proviantwagen und Regimentsgeschütze versehen, die Abstellung der Recruten und Fuhrknechte der Beendigung nahe, die Verpflegsvorräthe und Ausrüstungsgegenstände standen in genügender Menge an Ort und Stelle und deckten für die nächsten Wochen den Bedarf. Es konnte sonach angenommen werden, dass die Armee im Laufe des Monats Mai in operationsfähiger Verfassung stehen und einem etwaigen Angriffe in schlagfertigem Zustande die Spitze bieten würde. Der Kaiser liess nun an den Festungswerken von Königgrätz die Arbeiten beschleunigen und fasste, angesichts der Concentrirung des preussischen Heeres an der Grenze, den Entschluss, den bereits fest­gestellten Feldzugsentwurf für die Defensive auszuführen und zu diesem Behufe sich des rechten Elbe-Ufers zwischen Jaromer und Arnau, dann bei Leitmeritz zu versichern. Demzufolge wurde das auf 16 Bataillone und 20 Escadronen verstärkte Corps des FML. Olivier Graf Wallis bei Jiöin in die Gegend von Königinhof-Schurz verlegt und unter den Befehl des FZM. Freiherrn v. Elrichshausen gestellt, wäh­rend G. d. C. Fürst Liechtenstein mit einem Corps von 12 Bataillonen und 20 Escadronen nach Leitmeritz und Aussig vorgeschoben ward. Nach seinem Eintreffen in Prag am 20. April machte der Kaiser sodann mittelst Armeebefehls bekannt, dass er das Obercommando über die in Böhmen vereinigten Streitkräfte übernommen, Feldmarschall Graf Lacy zum Befehlshaber des rechten, Feldmarschall v. Loudon zu jenem des linken Flügels der Armee, FZM. v. Elrichshausen zum Commandanten des Corps bei Arnau-Jaromer und G. d. C. Fürsten Liechtenstein zu jenem bei Leitmeritz, endlich Feldmarschall Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen zum Oberbefehlshaber des Corps in Mähren-Schlesien ernannt habe. Am 24. April recognoscirte der Kaiser die Elbelinie von Leit­meritz bis Aussig, ordnete bei ersterem Orte die Anlage eines Brücken­kopfes und bei letzterem Orte die Errichtung von Verschanzungen zur Verstärkung der zwischen der Elbe und der Biela liegenden vortheilhaften Stellung auf der Paschkopole an. Den 29. April hatte das erste und am 1. Mai das zweite Treffen der Armee aus den Cantonnements am linken Elbe-Ufer über den Fluss zu rücken und von Königgrätz über Jiöin und Jungbunzlau bis Mscheno die Quar­tiere zu beziehen. An letzterem Tage verfügte sich der kaiserliche Oberfeldherr nach Pardubitz, liess das Schloss daselbst in Vertheidigungs- stand setzen, bei Kunétitz und Lukowna Verschanzungen und bei Nemcitz einen Brückenkopf anlegen und traf am 2. Mai in Königgrätz ein. Bei Fortsetzung der Terrain-Recognoscirung über Königinhof nach Arnau erkannte er die Wichtigkeit der in einem geringen Abstande

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