Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

392 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. Hof abzuziehen, so habe er sich hinter der March bei Olmütz fest­zusetzen. Wäre aber die Behauptung dieser Stellung ohne grosse Gefahr nicht durchführbar, so sollten 10.000 Mann Infanterie und 500 Pferde in Olmütz belassen, der Rest des Corps auf die Höhen von Prossnitz zurückgezogen, die Strasse Brünn-Wien gedeckt und die von der böhmischen Armee anrückende Verstärkung erwartet werden. Könnte der Herzog-Feldmarschall das bei Teschen stehende Detachement nicht mehr an sich ziehen, so müsste selbes, wenn der Rück­zug über Friedek und Mistek nicht gelänge, über Jablunkau nach Ungarn oder über Bielitz hinter die Sola nach Galizien zurückgehen, von wo aus es dem Feinde im Rücken bliebe und daher ziemlich beschwerlich fiele. Dies wäre im Allgemeinen der Gedanke, nach welchem Se. Majestät die Operationen der mährischen Armee ansähen, wenn sie, so zu sagen, von der Hauptmacht des Königs von Preussen gedrängt würde. „Sollte hingegen, was eher zu vermuthen, die geeammte feind­liche Macht sich gegen Böhmen wenden und das mährische Armee- Corps auch nach diesem Königreiche abrücken müssen, so habe der Herzog folgende Dispositionen zu treffen: „In Olmütz haben fortwährend 2000 Mann, sie mögen von den dahin bestimmten 3. Bataillonen oder zugetheilten Recruten ent­nommen werden, die noch nicht vor den Feind geführt werden könnten, als Besatzung zurückzubleiben. Ausser diesen müssten 8000 bis 9000 Mann Infanterie und 3 Regimenter Reiterei bei Heidenpiltsch stehen und über selbe wäre FML. Marquis Bottá das Commando zu übergeben. — „Zum Schlüsse empfehlen Se. Majestät, dass die leichte Cavallerie, welche ohnehin theils schwach, theils unerfahren sei, so wenig als möglich zerstückelt werde, indem es besser wäre, weniger Land zu decken und zu behaupten, als sich kleinen, aber oft wiederholten Verlusten auszusetzen, was zu den nachtheiligsten Folgen Anlass bieten könnte. Es wäre jedenfalls viel sicherer, die detachirten Posten allemal mit etwas schwerer Cavallerie, etwas Infanterie und einigen leichten Kanonen zu unterstützen.— „Die gesammten Grenztruppen seien wegen ihrer Verfassung tmd besitzenden Landwirthschaft für die Monarchie ganz besonders kost­bar. Man müsste daher auf deren Schonung, ausgenommen in Haupt- Affairen, immer Rücksicht nehmen, selbe daher niemals auf entfernte Posten vorschieben oder bei Rückzügen in Wäldern zurücklassen, da sie abgeschnitten werden könnten. Auch die Festungen eignen sieh zur Verwendung der Grenzer nicht, ausgenommen solcher Leute, die bei der Artillerie in Zutheilung sich befinden.“ — Nach Erlassung dieser Directiven für das Corps in Mähren- Schlesien und Recognoscirung dieses Theiles des Kriegstheaters traf

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