Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 391 Die inzwischen über den Anmarsch des preussischen Heeres gegen die Operationsfront, sowie über die Zusammenziehung der sächsischen Armee nördlich von Dresden, wohin alle landesherrlichen Cassen aus der Oberlausitz geschafft worden, in Prag eingegangenen Nachrichten, bestimmten den Commandirenden, die an der Grenze aufgestellten Truppen noch durch 12 Bataillone und 4 Escadronen zu verstärken. Uber diese, zusammen aus 16 Bataillonen, 15 Escadronen und 800 Scharf­schützen bestehende Vorhut erhielt FML. Olivier Graf Wallis mit dem Hauptquartier Jicin das Commando. Ähnliche Maassnahmen, wie in Böhmen, wurden auch in Mähren und Schlesien getroffen. Am 10. April langte der Feldmarschall Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen in Olmiitz an und übernahm das Com­mando über das von Bilitz und Teschen bis Römerstadt, mit Detache­ments in Zuckmantel und Troppau cantonnirende Mährische Armee-Corps. Die Ankunft des Königs von Preussen im Lager der Schlesi­schen Armee hei Frankenstein war für Kaiser Josef II. der im vorhinein festgestellte Zeitpunkt, sich ebenfalls zur Armee zu begeben. Am 11. April verhess Se. Majestäten Begleitung des Erzherzogs Maximilian, des Feldmarschall Lacy, der Generalstabs-, Artillerie- und Genie-Chefs Wien und erreichte Olmiitz. Nach Besichtigung der Festungswerke, des Artillerie-Materials und der Truppen verfügte sich der Kaiser über Hof nach Heidenpiltsch, um in dieser Gegend an der Mohra eine zur Vertheidigung Mährens und Schlesiens geeignete Position zu ermitteln, und ertheilte sodann dem Herzog Albrecht folgende Instruc­tionen: Die Festung Olmütz soll auf neun Monate für eine Besatzung von 10.000 bis 11.000 Mann verproviantirt, die vorwärts gegen die preussische Grenze noch befindlichen Verpflegsvorräthe sofort zurück­geschafft, über die Stärke, Aufstellung, Verpflegung etc. der Armee des Königs in Schlesien die verlässlichsten Nachrichten eingezogen werden. „Beim wirklichen Ausbruche des Krieges habe die mährische Armee zu trachten, gegen ein schwächeres feindliches Corps durch offensive Unternehmungen Vortheile zu erringen und gegen ein gleich starkes Corps in der von Natur aus festen Stellung an der Mohra hartnäckigen Widerstand zu leisten. „Dagegen sollte einer stärkeren oder bedeutend überlegenen preussischen Macht gegenüber das Land Schritt für Schritt streitig gemacht, in keine grossen verlustreichen Gefechte sich eingelassen, der Rückzug aber auch nicht zu rasch angetreten werden, um das besetzte Gebiet nur bei einer wirklichen Gefahr zu räumen und der Armee in Böhmen Zeit zu verschaffen, zur Unterstützung herbei­zueilen. — „Sollte der Herzog durch Übermacht oder durch unvorhergesehene Unglücksfälle gezwungen werden, aus der Gebirgsgegend Heidenpiltsch-

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