Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

der permanente Conseil nach den Landesgesetzen kein Recht hätten, den begehrten Durchzug zu gestatten. Aufmarsch der Österreicher. Einrichtung des Kriegs­schauplatzes. Österreich liess sich durch diese Demonstrationen Preussens in seinen bisherigen Dispositionen nicht im mindesten beirren. Auf die Nachrichten von der grossen Armeebewegung jenseits der Grenzen Böhmens und Mährens beschleunigte der Kaiser nur die schon im vollen Gange befindlichen Kriegsvorbereit ungen. Im Anfänge des Monates April war das zu Operationen bestimmte Heer auf dem even­tuellen Kriegsschauplätze noch nicht vollständig versammelt. In Böhmen standen erst 70 bis 80 Bataillone und 80 bis 90 Escadronen, in Mähren und Schlesien 30 bis 35 Bataillone, 20 bis 25 Escadronen, in Galizien ungefähr 8 Bataillone und 12 Escadronen. FZM. Freiherr v. Loudon, aus der Disponibilität zum jFeld- marschall und commandirenden General in Böhmen ernannt, erhielt den Befehl, sich auf seinen Posten zu verfügen und das Commando der Armee in Böhmen interimistisch zu übernehmen. Am 4. April traf er zu Prag ein und wirkte mit der ihm innewohnenden That- kraft und Sachkenntniss für die Ausrüstung des Heeres und die Vor­bereitung der Kriegsoperationen. Sein Hauptaugenmerk richtete Loudon auf die Cantonnements, die Abrichtung der Recruten, die Ausrüstung und Bekleidung der Truppen, die Beschaffung von Schlachtvieh, die Anlage von Verpflegs-Magazinen, die Verproviantirung und Verthei- digungs-Instandsetzung der Festungen Eger und Königgrätz, die Be­spannungen der Artillerie und des Regiments-Trains, die Ausmittlung von Alarmplätzen und Concentrationspunkten, die Verbesserung der Strassen, Wege und Brücken etc. Zur Bewachung der Grenze wurde GM. Graf Wurmser mit seinem Huszaren-Regimente nach Königinhof, Oberst Weinberg mit einem Cavallerie - Regimente nach Peterswalde und Tetschen, die Grenz-Brigade GM. Donhoff nach Jicin und Benatek vorgeschoben und eine Postenkette von Nachod über Pölitz, Trautenau, Starkenbach, Reichenberg, Gabel, Rumburg bis jenseits der Elbe ausgesetzt. Die Officiere des General-Quartiermeister-Stabes recognoscirten eine Position für die gegen Sachsen aufzustellende Armee hinter der Biela. Über den zu befolgenden Kriegsplan erhielt Feldmarschall von Loudon vom Kaiser Josef die Weisung, dass, in Anbetracht der poli­tischen Lage, der eventuelle Feldzug defensiv geführt, demzufolge die Vertheidigung von Böhmen zwischen Jároméi1 und Leitmeritz in dem durch den Lauf der Elbe gebildeten Terrainabschnitte c on centi1 irt werden sollte.

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