Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

380 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. Cavallerei und Artillerie, welch’ letztere unter der intelligenten Leitung der Fürsten Josef Wenzel Liechtenstein und Franz Ulrich Kinsky ganz besondere Fortschritte aufzuweisen hatte. Die Artillerie führte 3-, 6- und 12pfündige Kanonen, 7pfündige Haubitzen; jedem Infanterie-Bataillon waren 4 Regimentsgeschtitze bei­gegeben. Die deutsche Cavallerie war mit Gewehren, die ungarische blos mit Pistolen und Säbeln bewaffnet, die Grenz-Scharfschützen hatten Windbüchsen, welche auf Tragthieren fortgebracht wurden. Mobilmachung des k. k. Heeres. Als daher bei Beginn des Jahres 1778 die Sprache der preus- sischen Diplomatie einen drohenden Ton anschlug, der König Fried­rich II. eine kriegerische Ansprache an seine Generale hielt und demzufolge ein Bruch zu besorgen war, beschloss die Kaiserin Maria Theresia auf den Vorschlag des Kaisers Josef, die österreichischen Länder von einem raschen feindlichen Einfalle durch Anordnung der Kriegsbereitschaft der bewaffneten Macht zu schützen. Es wurde daher am 11. Februar das Pferde-Ausfuhrverbot für den Umfang der ganzen Monarchie erlassen, den Grenz-Generalaten ging die Weisung zu, von den Grenztruppen 16 Bataillone Infanterie, 3'/2 Divisionen Scharfschützen und 9 Divisionen Huszárén, in der Gesammtstärke von 27.000 Mann, 3000 Pferden marschbereit zu halten, die Truppen- Commandanten endlich erhielten den Befehl, durch Aushebung der Recruten, Werbung und durch Pferdeankäufe die Infanterie- und Cavallerie-Regimenter vorläufig auf den vollen Friedensstand zu setzen. Am 18. Februar machte der Kaiser den commandirenden Generalen bekannt, dass im Frühjahr die Aufstellung einer Armee in Böhmen und je eines Armee-Corps in Mähren-Schlesien und Ungarn beschlossen sei. Die Zusammensetzung und Stärke der zu mobilisirenden Streit­kräfte sollte folgende sein: Hauptarmee in Böhmen unter dem Oberbefehl des Kaisers mit den Feldmarschällen Lacy und Laudon') als Treffen-Commandanten: 87 Bataillone Infanterie, 55 Divisionen Cavallerie, 102.700 Mann, 336 Geschütze. Corps in Mähren-Schlesien unter Commando des Feldmarschall Herzog Albert von Sachsen-Tesclien: 41 Bataillone Infanterie, 32 Divi­sionen Cavallerie oder 50.400 Mann, 165 Geschütze. Corps in Ungarn unter Commando des G. d. C. Graf Esterházy: 25 Bataillone Infanterie, 19 Divisionen Cavallerie oder 30.000 Mann, 100 Geschütze. Zusammen die mobil zu machende Armee: 153 Bataillone Infanterie, 106 Divisionen (212 Escadronen) Reiterei, 183.000 Mann ') FZM. Freiherr v. Laudon wurde am 27. Februar 1778 zum Feldmarschall ernannt.

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