Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

überlasse, am 10. Februar endlich brachte er zur Kenntniss des Fürsten Kaunitz, dass der Herzog den Wunsch geäussert habe, in die Con­vention mit Kurpfalz mit aufgenommen zu werden. Auf Grund dieser Berichte wurde sodann eine Accessions- und Acceptations-Urkunde ent­worfen und nach München gesandt. Unter solchen Verhältnissen gewann es den Anschein, als ob Österreich leicht ein Gebiet erwerben würde, welches den Verlust Schlesiens einigermassen ausglich und der Monarchie eine dominirende Stellung in Süddeutschland eintrug. Diese Erwartungen sollten indessen nicht in Erfüllung gehen. König Friedrich II. hatte von der preussischen Partei in München, namentlich von der Schwägerin des Kurfürsten Karl Theodor, der Herzo­gin Maria Anna, von dem in Wien geschlossenen Übereinkommen sogleich Nachricht erhalten. Mit Begierde ergriff nun der König diesen Anlass, die schon seit Jahren erschütterte Stellung Österreichs im Reiche völlig zu untergraben, den preussischen Einfluss an Stelle des österreichischen zu setzen und dabei den längst gehegten Plan in Ausführung zu bringen, entweder die fränkischen Markgrafthümer Ansbach und Bay­reuth zu erwerben, um sie gegen die Lausitz einzutauschen, oder aber die Herzogtümer Jülich und Berg dem eigenen Staate einzuverleiben. Von jeher zielte die Politik Preussens auf Vergrösserung des eigenen Staatsgebietes ab, damit die ausser allem Verhältnisse zu dem Gebiets­umfange, der Bevölkerung und dem Staatseinkommen stehende bewaff­nete Macht aus neuen territorialen Annexionen und Erwerbungen unterhalten werden könne. Die Eroberung Schlesiens und die Zer­stückelung Polens hatten dem preussischen Staate eine bedeutende Gebietserweiterung verschafft; die bayerische Erbfolgefrage war das Mittel, das dem Hause Pfalz-Zweibrücken gehörige Jülich und Berg zu erwerben, hiedurch Einfluss auf die Rheinschiffahrt zu gewinnen und der Nachbar Österreichs auch in den Niederlanden zu werden. Die politischen Verhältnisse Europa’s waren in dem Augenblicke, als Preussen den Entschluss fasste, die bayerische Erbfolge zur Erwei­terung der eigenen Machtsphäre auszunützen, dem Anschläge in hohem Grade günstig. Von den Grossmächten standen Frankreich und Russ­land auf dem Punkte, mit England und der Türkei in bewaffneten Conflict zu gerathen, und rüsteten zum Kriege. Für Preussen handelte es sich nur noch darum, die Mehrzahl der Mittel- und Kleinstaaten Deutschlands in das eigene Interesse zu ziehen und für den Kriegsfall ein Bündniss zu Stande zu bringen, dem gegenüber Österreich isolirt bleiben sollte. Zu diesem Behufe hatte Friedrich II. auf die Nachricht von den Schritten, welche der Wiener Hof in der bayerischen Erbfolgeangele­genheit unternommen, auf die Entscliliessungen des neuen Kurfürsten von Bayern, Karl Theodor, Einfluss zu gewinnen gesucht, um ihn leiten

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