Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution
IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 357 zu können.Sein Bevollmächtigter, GrafGörtz, Obersthofmeister am Weimar- schen Hofe, traf im zweiten Drittel des Monats Januar in geheimer Mission über Regensburg, München, Würzburg, Mannheim zu Zweibrücken ein, um Karl Theodor und dessen Nachfolger im Sinne Preussens zu bearbeiten. In München gelang es diesem preussischen Agenten zwar, die Ratification des österreichisch-bayerischen Übereinkommens zu verzögern, aber es glückte ihm nicht, den Kurfürsten zum Widerrufe desselben zu bewegen, v. Görtz liess sich nun angelegen sein, den nächsten Erben, Herzog Karl von Zweibrücken, für seine Pläne zu gewinnen, indem er ihm von jedem Entsagungsacte mit der Versicherung abrieth, der König von Preussen werde nimmermehr in eine Thei- lung der bayerischen Lande einwilligen und ihn mit aller Macht in seinen unverkürzten Erbansprüchen schützen. Mit Hilfe der Herzogin Maria Anna wurde der Herzog, welcher, wie bereits erwähnt, seine Zustimmung zu dem Übereinkommen vom 3. Januar 1778 ertheilt hatte, vollständig gewonnen und handelte in der Folge nach den von Berlin ausgehenden Weisungen. Die Desertion des Herzogs Karl in das preussische Lager verminderte die österreichische Partei im Lande und lähmte die Action Bayerns nach Aussen im Falle des Ausbruches eines Krieges zwischen den beiden deutschen Grossmächten. Ähnliches Bewandtniss hatte es auch mit anderen Mittel- und Kleinstaaten. Das Kurfürstenthum Sachsen, welches bisher in allen europäischen Fragen mit Österreich gegangen und demzufolge in den früheren Kriegen treu zu diesem gehalten batte, erblickte, durch das Auftreten des Berliner Hofes verleitet, in Friedrich II. den natürlichen Beschützer seiner Erbansprüche an Bayern und leistete ihm Heeresfolge. Die verwittwete Kurfürstin von Sachsen beanspruchte nämlich jetzt nach dem Tode des Kurfürsten Maximilian das ganze nachgelassene Weiberlehen und Allodium für ihren Sohn, den Kurfürsten Friedrich August von Sachsen; der Herzog von Mecklenburg-Schwerin endlich, der ein Anrecht auf die bayerische Landgrafschaft Leuchtenberg zu haben behauptete, hielt fest zu Preussen. Die plötzliche Einmischung Friedrichs II. in den bayerischen Erbfolgestreit hatte in Wien eine leicht begreifliche Aufregung und Verstimmung erzeugt. Im Rathe der Krone bildeten sich verschiedene Anschauungen über den jetzt einzusclilagenden Weg. Kaiser Josef II., welcher fest entschlossen war, dasjenige, was Fürst Kaunitz mit der Feder erworben, mit dem Schwerte zu behaupten, beantragte die sogleiche Occupation Bayerns durch k. k. Truppen; Kaiserin Maria Theresia hingegen erblickte in dem Einmärsche nach Bayern grosse Gefahren und erklärte sich zur Fortsetzung der Unterhandlungen mit dem Herzoge Karl bereit. Da indessen Fürst Kaunitz den Massnahmen des Kaisers über die Occupation zustimmte, so erhielten Mitte