Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 21 allein so vielen Schwierigkeiten unterliegt, sondern auch um so heik- licher und gefährlicher werden muss, wenn der Misserfolg eintritt. Es würde mir nichts übrig bleiben, als in die Elbe zu springen. Euere Majestät sehen, dass mir bei dieser Lage der Dinge nur zwei Wege bleiben: der eine den Fluss gegen Meissen zu zu über­schreiten, der andere dies auf der Seite von Pirna zu thun. Ich habe bis jetzt aus zwei Gründen weder das Eine noch das Andere unter­nehmen wollen; erstens um mich nie von Dresden zu entfernen und dem Könige keine Gelegenheit zu einem Schlage gegen diese Stadt zu geben, zweitens damit ich, wenn der Feind sich gegen Schlesien in Bewegung setzen würde, stets bereit sei, ihm dahin zuvorzukommen.“ Hienach beschränkte sich der Marschall auf die Anordnung von Ausfällen, welche die weitere Zerstörung der Stadt verhindern sollten *). Der grösste derselben wurde in der Nacht zum 22. Juli von der Besatzung unter Mitwirkung von 9 Bataillonen, 10 Grenadier-Com­pagnien und 4 Escadronen der Hauptarmee unternommen. Sein Erfolg war, dass das Feuer der Preussen von da an fast gänzlich verstummte. Bei einem zweiten Ausfälle, am 27. Juli, wurde die Zerstörung der preussischen Batterien vollendet. Am letzteren Tage vernichtete GFW. Ried auch bedeutende Verpflege- und Munitions-Vorräthe des Gegners bei Meissen und Riesa. Durch alle diese Geschehnisse war das Unternehmen Friedrich’s gegen Dresden an und für sich schon als gescheitert zu betrachten, als der 28. Juli den letzten~und entscheidendsten Anstoss zur Auf­hebung der Belagerung, die Nachricht von der Einnahme von Glatz duroh Laudon, brachte. Wollte der König Schlesien nicht preisgeben, so musste er jetzt Hilfe dahin bringen. Ehe wir die hiedurch bedingten Operationen verfolgen, kehren wir jedoch zu Laudon zurück, um die Ereignisse in Schlesien seit dem ruhmvollen Tage von Landshut nachzuholen. VI. Die Einnahme von Glatz. Mit seinem Gros noch bei Landshut stehend, hatte Laudon am 3. Juli den Befehl Daun’s erhalten, mit seinen disponiblen Truppen in die Gegend von Löwenberg vorzurücken, und am 7. folgte ein zweiter Befehl zum Marsche auf Liegnitz, wo sich Laudon bereit halten sollte, einerseits Daun gegen den König zu unterstützen, ander­seits aber den Einmarsch des Prinzen Heinrich nach Schlesien zu verhindern. Dem zufolge traf Laudon, der am 4. aufgebrochen war, am 8. bei Hochkirch (6km ssw. Liegnitz) ein. Von hier aus verstärkte *) Bericht Montazet’s vom 2. August, Kriegs-Archiv, 1760, Fase. VIII, 2, Cabinets-Acten.

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