Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

22 Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien der Feldzeugmeister das Belagerungs-Corps vor Glatz unter FML. Dras- kovich nach und nach auf 38 Bataillone ‘), 17 Escadronen, und von Olmütz und Brünn wurden 114 Belagerungs-Geschütze herbeigeschafft. An der Katzbach blieben 26 Bataillone, 65 Escadronen zurück. Schweidnitz wurde durch ein Corps unter GFW. Jalinus von 6 Batail­lonen und 300 Mann commandirter Cavallerie, Neisse durch 2 Batail­lone *), 1 Grenadier-Compagnie, 6 Escadronen und 500 Mann comman­dirter Cavallerie unter GFW. Bethlen beobachtet. Die Befestigung von Glatz bestand damals aus zwei Theilen, der alten und neuen Festung, welche die Neisse trennte. Der öster­reichische Angriff richtete sich zunächst gegen die alte, am linken Ufer der Neisse gelegene Festung, und in der Nacht zum 21. Juli wurde die erste Parallele auf 375 Schritt vom Glacis-Kamme derselben erbaut. Am 25. Juli waren 16 Batterien fertig, aus welchen am 26. um 5 Uhr Früh in Gegenwart Laudon’s das Feuer eröffnet wurde. Schon nach 8 Uhr war das Feuer der Festung so weit gedämpft, dass Laudon die Erstürmung einer im Norden der Festung, hart am linken Neisse-Ufer in den letzten Tagen erbauten Flesche anordnen konnte. Dieser Sturm gelang nicht nur allein, sondern führte auch sofort zur Eroberung des gedeckten Weges, der Enveloppe, und Schlag auf Schlag zur Vertreibung der Preussen aus einer Position nach der andern, so dass sich um 10 Uhr Vormittags die alte Festung bereits in den Händen der Österreicher befand. Eine Stunde später erfolgte die Übergabe der neuen Festung ohne Schwertstreich. Der Commandant, Oberstlieutenant D’O, und die aus 112 Offi- cieren, 2315 Mann bestehende Besatzung wurde kriegsgefangen gemacht. Ausserdem fielen den Österreichern 30 Fahnen, 278 Geschütze und bedeutende Vorräthe an Munition und Lebensmitteln in die Hände. Der eigene Verlust erreichte im Verlaufe der ganzen Be­lagerung nicht ganz 400 Mann. Die Festung erhielt eine Besatzung von 8 Bataillonen * 2) unter FML. Gaisruck. Ausserdem wurden 4 Bataillone und 200 Reiter zur Sicherung der im Norden und Nordosten derselben gelegenen Gebirgs- Defiléen bestimmt. Kaum war Glatz gefallen, so sehen wir Laudon schon an der Verwirklichung neuer Entwürfe thätig. VII. Laudon’s Unternehmung gegen Breslau. Es war ein lange gehegter Wunsch der österreichischen Regie­rung, Breslau in ihrer Gewalt zu haben, und der Anmarsch der russi­*) Darunter ein aus dem Innern der Monarchie zugewachsenes Bataillon. 2) Darunter zwei der Besatzung von Olmütz entnommen.

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