Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

20 Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien Am 20. vereinigte nun der König, von zwei Seiten intensiv be­droht, das Gros seiner Armee, welche im Ganzen etwa 44.000 Mann zählte, in einer starken Stellung zwischen Leubnitz und Rippgen (beide südlich Dresden). Ihm gegenüber verfügte Feldmarschall Daun jetzt über nahezu 90.000 Streiter, von welchen ein bedeutender Theil bereits am linken Elbe-Ufer, bei Dohna, stand. Durch diese letzteren Streitkräfte und durch den Besitz von Dresden war ein Übergang der österreichischen Hauptarmee auf das linke Ufer des genannten Flusses, sowie der Angriff sehr erleichtert; mit einem Worte, die Situation schien förmlich geschaffen zu einem entscheidenden Schlage gegen den König, zu welchem die Kaiserin unausgesetzt drängte. Auch der französische Militär-Bevollmächtigte, Graf Montazet, rietli wiederholt z um Angriffe, aber Daun hielt die mit der Unternehmung verbundene Gefahr noch immer für zu gross, um sich in dieselbe einzulassen. Mit den bezüglichen Erwägungen des Marschalls macht uns das Schreiben desselben vom 28. Juli an die Kaiserin bekannt *), in welchem er zuerst erklärt, dass die Altstadt von Dresden (der am linken Elbe-Ufer gelegene Theil) vermöge der den Werken vorlie­genden Vorstädte, welche das Feuer des Platzes maskirten, die Ent­wickelung am linken Elbe-Ufer nicht begünstige, und dass die im Norden der Stadt erzeugte Inundation einen Übergang auf dieser Seite verhindere. Er kommt hienach zu den Chancen für einen Übergang südlich der Stadt, und sagt hierüber: „Wenn ich die Elbe oberhalb der Stadt überschreite, bin ich genöthigt meine Armee hart an den Ufern des Flusses und in einem tiefen Grunde zu formiren, während der Gegner den ganzen Höhen­rand von Leubnitz bis Plauen besetzt hat. Selbst vorausgesetzt, dass der König mich meinen Übergang, ohne ihn zu stören, ganz ausführen lässt, so habe ich gleich zu Anfang den grossen Garten anzugreifen, welcher mit einer sehr guten Mauer umgeben und nicht anders als schwer zu bewältigen ist. Jedenfalls würde es sich dann darum handeln, die Höhen zu ersteigen und zu erstürmen, welche der Gegner mit seiner Hauptkraft besetzt hat. Wenn ich nun in der That das Glück haben würde, alle diese Nachtheile zu bewältigen, dann wäre allerdings Alles erreicht und es würde dem Könige Mühe genug kosten, sich bei seinem Rückzuge aus der Schlinge zu ziehen. Aber Euere Majestät werden nach dieser Beschreibung der Ört­lichkeit im Grossen begreifen, dass, wenn man die Dinge in der Nähe besieht, man eher schwankt einen Schritt zu unternehmen, der nicht *) Bericht Daun’s vom 28. Juli, Kriegs-Archiv, 1760, Fase. VII, 27, Cabinets-Acten.

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