Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 19 Am 10. Juli passirte Lacy die Elbe und bezog auf Befehl des Herzogs von Zweybrücken, der für seine rechte Flanke besorgt war, ein Lager bei Lockwitz (1 Meile [7’5km] sö. Dresden). Schon am folgenden Tage wich aber der Herzog von Zweybrücken, welcher trotz der verfügbaren bedeutenden Streitkräfte (circa 50.000 Mann) sich dem Könige nicht gewachsen fühlte, entgegen seiner dem Marschall gegebenen Erklärung, dem möglichen Zusammenstosse mit dem Gegner durch eine rückgängige Bewegung auf Dohna aus, woselbst sich das Corps Lacy der Reichsarmee anschloss. Zur Verstärkung der Besatzung Dresdens wurden 18 Bataillone, 13 Grenadier-Compagnien und eine Escadron Huszárén in die Stadt geworfen, so dass erstere jetzt 25 Bataillone, 16 Grenadier-Compagnien und 1 Escadron Cavallerie, in Summa 13.909 Mann, zählte. Ausser den 50 Regiments - Kanonen der Besatzung bestand die Armirung der Festung aus 161 Geschützen. V. Die Belagerung von Dresden. So war auch der Versuch des Königs, Lacy einen Schlag beizubringen, gescheitert. Im Momente aber, wo dieses Corps sich seiner Verfolgung entzog, stand der König vor Dresden, dessen Wiedergewinn er am Schlüsse des Feldzuges 1759 vergebens angestrebt hatte, und rasch entschloss er sich, die Abwesenheit der österreichischen Hauptarmee zu benützen, um sich in den Besitz dieses festen Platzes zu setzen. Die Gegenwart der Reichsarmee hinderte ihn nicht, sich in ein solches Unternehmen einzulassen. Nachdem er mit seinem Gros die Elbe wieder überschritten hatte, schloss er die Stadt am 13. Juli an beiden Ufern dieses Flusses ein. Zugleich war die Herbeischaffung eines Belagerungsparkes von Magdeburg eingeleitet worden, und in der Zeit vom 14. bis 19. Juli setzten die Preussen eine grössere Zahl von Batterien gegen die Stadt in Thätigkeit, unter deren Feuer sie viel litt. Auf die Nachricht von der Belagerung Dresdens durch den König eilte Feldmarschall Daun herbei. Er war nach Ansichziehung der Truppen Stampa’s und eines Regiments von Beck mit seinem Gros am 15. von Naumburg aufgebrochen und langte schon am 18. bei Weissig (l'/a Meilen [ll-4km| ö. Dresden) an. Am 19. griffen Daun’s Vortruppen, während die Besatzung Dresdens einen Ausfall unternahm, das preussische Einschliessungs- Corps am rechten Elbe-Ufer an, und zwangen dasselbe mit einem Verluste von 700 Mann und 8 Geschützen zum Rückzuge über den Fluss. Hiemit war die Communication zwischen Dresden und der österreichischen Armee eröffnet.