Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
18 Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien dronen gegen Bautzen in Bewegung, während das Corps Hülsen am linken Elbe-Ufer bei Meissen zurückblieb. Daun war auf den Abmarsch des Königs nach Schlesien gefasst, und besorgte nur immer, sich ihm nicht rechtzeitig vorlegen zu können, wie es seine Aufgabe erheischte. Er plante daher eine Vereinigung aller disponiblen Kräfte Laudon’s, der Truppen des FML. Beck und eines Corps der Hauptarmee, um Laudon in den Stand zu setzen, dem Könige den Einmarsch in Schlesien eventuell zu verwehren, und am 25. Juni ging demgemäss auch FML. Graf Stampa mit 8 Bataillonen, 10 Escadronen dahin ab. Dies hinderte den Marschall jedoch nicht, zur Erfüllung der eigenen Aufgabe sein Möglichstes zu thun, wenn auch in der ihm eigenthümlichen Weise. Als die preussisclie Hauptarmee sich in Marsch setzte, ward es daher auch im österreichischen Lager lebendig. 14 Bataillone, 31 Escadronen (darunter 1 Bataillon, 4 Escadronen neu zugewachsen; bei zwei der abgegebenen Regimenter hatte sich der Stand um 1 Bataillon vermindert) und 58 Geschütze wurden der an der Elbe zurückbleibenden Reichsarmee überwiesen; mit 44 Bataillonen, 81 Escadronen (darunter die in 7 Bataillone formirten Grenadiere) und dem Corps Lacy trat auch Daun den Marsch an. Am 5. Juli erreichte der König Marienstern (2 Meilen [15km| wnw. Bautzen), aber schon seit 4. stand Daun bei Bautzen, bereit dem Könige die Strasse zu verlegen. Am 6. musste der König seinen ermüdeten Truppen einen Rasttag geben, während Daun nach Reichenbach (l3/4 Meilen [13km] w. Görlitz) marschirte. Am Abend dieses Tages erhielt Letzterer, was sonst bei der vorzüglichen Verwendung der österreichischen leichten Truppen zu den äussersten Seltenheiten gehört, eine falsche Nachricht, der zufolge der König in Klein-Bautzen eingetroffen sein sollte. Dies gab dem Feldmarschall zu der Fortsetzung seines Marsches bis Naumburg am Queiss Veranlassung, welche durch die thatsächlichen Verhältnisse nicht gerechtfertigt erscheint. Als der König sah, dass ihn die Fortsetzung der Operation, seiner Absicht entgegen, zu einem Zusammenstosse mit den vereinigten Armeen der Österreicher führen müsse, stand er von dem Weitermarsche nach Schlesien ab und beschloss die Isolirung Lacy’s, welcher Letztere ihm am 7. Juli bei Roth-Nauslitz (l'/2 Meilen [ll’4km] wsw. Bautzen) nahe gegenüberstand, zu einem Schlage gegen denselben zu benützen. Die vorerst vorgenommene Recognoscirung führte aber zu einem Reitergefechte bei Gödau (1 Meile [7-5kin] w. Bautzen), in welchem der König eine Schlappe erlitt. Lacy ward aufmerksam und entzog sich dem Angriffe des überlegenen Gegners durch den Rückzug auf Dresden, wohin ihm der König folgte.