Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 63 grosse Schwierigkeit und die Unzulässigkeit einer Haupt - Operation zu beweisen, welche gegenwärtig mit der grossen Armee versucht werden dürfte, um die Donau mit Gewalt zu passiren und dann auf einen Hauptschlag das Schicksal des ganzen Krieges ankommen zu lassen, haben mich völlig überzeugt, dass jetzt der Fall nicht eintrete, wo ein solcher sehr zweifelhafter Hauptschlag nöthig oder auch nur einigermassen räthlich sein könnte. Da aber der Krieg nur durch eine ununterbrochene Activität zu seinem Ziele gebracht werden kann und wir wahrlich nicht in der Lage sind, wo uns ein unthätiges Zuwarten frommen könnte, so habe ich mich in der Meinung bestärkt, dass also um so lebhafter auf anderen Punkten gewirkt werden müsse, wo wir den Feind in Verlegenheit setzen können, ohne unsere Hauptkräfte ganz und auf einmal auf das Spiel zu setzen ...............“ Gr af Stadion bezieht sich des Weitern auf eine jüngst gehaltene Conferenz, wonach sich die nächste militärische Action Österreichs folgend gestalten sollte: Die Hauptarmee, als Mittelpunkt der ferneren Operationen, habe vollkommen defensiv zu bleiben, wogegen von den südlichen Kriegsschauplätzen und der obern Donau her, in einer Art offensiv vorzugehen wäre, dass hiedurch die Hauptarmee in die Lage gesetzt würde, unter vortheilhafteren Umständen als bisher die Offensive ergreifen zu können. Zu diesem Zwecke sollten nicht nur die Corps von Gyulai und Chasteler, sowie die in und gegen Nord-Deutschland stehenden Truppen entsprechend verstärkt, sondern auch das Corps des Erzherzogs Ferdinand in Polen auf 45.000 Mann gebracht werden. Dabei wurde der, der Hauptarmee verbleibende Stand immer noch mit 100.000 Mann (?) angenommen, „gewiss eine zureichende Zahl, sobald man aufrichtig das System feststollt, dass sie für’s erste nur defensiv handeln und abwarten solle, was die Operationen gegen den Rücken und die Flanke des Feindes für Wirkung haben werden. Aber freilich dürfte auch in diesem Falle die Hauptarmee den Punkt, auf welchem sie aufgestellt ist, nicht als den einzigen betrachten, und es müsste wohl auf die Sicherstellung der ganzen Donaulinie bis gegen Komorn eben so sehr, als auf die Sicherstellung der Distanz zwischen Asparn und Esslingen gesehen werden.“ Zunächst hatten diese Combinationen nur hinsichtlich des, unter Erzherzog Ferdinand stehenden Corps eine praktische Folge, indem Kaiser Franz die unverweilte Absendung von 12.000 bis 15.000 Mann nach Polen anordnete und diesbezüglich am 2. Juli an Erzherzog Carl schrieb: „............Ich habe Alles gethan, was man nur immer vermag, um es mit Russland nicht zu verderben, und finde, dass, jemehr Ich Lang- muth und Nachgiebigkeit zeigte, die Zudringlichkeiten immer grösser werden ..............Um keine Zeit zu verlieren, disponiren Euer Liebden