Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

64 Wagram. alsogleich die obige Zahl Truppen, insoweit Sie nicht binnen ein paar Tagen hier selbst Etwas zu unternehmen gesinnt sind, — dann Alles, was hiezu gehört, auf dem kürzesten Weg und auf die schnellste Art, erstatten Mir die Anzeige, was Sie zufolge dieser Meiner Anordnung verfügt haben, und geben Mir dasjenige an die Hand, was in Ansehung der militärischen Gegenstände an unseren Herrn Vetter zu erlassen wäre.“ Welche Folgen eine so empfindliche Schwächung der Hauptarmee unter den gegebenen Verhältnissen möglicherweise hätte haben können, ist leicht abzusehen. Interessant aber bleibt es, dass Napoleon von diesen Verhältnissen eine, wenn auch nur unbestimmte Kenntniss gehabt zu haben scheint und er die Möglichkeit, dass die österreichische Haupt­armee einer Schlacht ausweichen könnte, nicht ausser Betracht liess. Ein Schreiben an den Vice-König von Italien, ddo. Schönbrunn, 30. Juni enthält folgende darauf hindeutende Stellen: „ ............II y a beaucoup d’ indices qui portent ä penser que l’ennemi fait un grand mouvement . . .“ „Si l’ennemi avait évacué ses positions devant Vienne, il serait possible que je ne me décidasse point ä vous faire venir; il est done convenable de retarder votre mouvement..............“ „J ’ai bien de peine ä comprendre quels pourraient étre les projets de l’ennemi, s’il évacuait sa position vis-ä-vis de Vienne...............“ Am 1 . Juli spricht aber Napoleon seine Befürchtung ganz offen gegen Engen aus, indem er schreibt: „Je vois avec plaisir que le 4 vous serez arrivé; Marmont et Broussier le seront aussi. Notre seule crainte est que l’ennemi ne tient point. Des bruits disaient que le prince Charles s’était portó ailleurs. . . .“ Erst am 2. Juli ist Napoleon seiner Sache sicher und benach­richtigt um 3 Uhr Morgens den Vice-König: „............Les renseignements qu’on vous a donnós sont inoxacts; l’ armée du prince Charles est toute ici en bataille.“ — Am selben Tage Abends 11 Uhr erschien die Disposition zum Donau-Ubergange für den 4. Juli, — 11 Stunden später, um 10 Uhr des 3. Juli, setzte sich die österreichische Armee nach ihrer neuen Stellung am Russbache in Marsch. Aufmarsch in der Russbach-Linie und allgemeine Disposition für die Schlacht. Der Disposition vom 3. Juli zum Beziehen der Stellung am Russ­bache schloss sich jene für eine eventuelle Schlacht unmittelbar an: „Die Armee bezieht wieder ihr altes Lager. Das I. Corps (Belle­garde) bricht um 10 Uhr Vormittags nach Deutsch-Wagram auf. Das III. Corps (Kolowrat) nach Hagenbrunn um 9 Uhr Abends. Das Grenadier-Corps nach Gerasdorf um 12 Uhr Mittags. Das IV. Corps (Rosenberg) nach Markgraf-Neusiedl um 2 Uhr Nachmittags. Das II. Corps (Hohenzollern) nach Baumersdorf um 9 Uhr Abends.

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