Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

62 Waff ram. niesen mit Österreich gestandenen und durch eine falsche Politik influirten Macht, über die Vortheile, welche man bei glücklichem Fort­schreiten unserer Waffen ihr zusichert, den liberalsten Gesinnungen zu folgen wäre.“ Die Bemühungen, Preussen für die Allianz mit Österreich zu gewinnen, blieben bekanntlich ohne Erfolg; da jedoch Stadion in seinem Streben nicht ermüdete und immer wieder neue Öperations-Projecte in Vorschlag brachte, so scheint eben dadurch allerhöchsten Örtes ein Schwanken in den Entschlüssen für die nächste Zukunft eingetreten zu sein, welches zuletzt auch auf die Entwürfe der obersten Heeres­leitung einwirkte. Als Consequenz dieser Stimmung bei der Armee darf ohne Zweifel der Operationsplan angesehen werden, den der General - Quartiermeister der Hauptarmee, GM. Baron Wimpffen, am 29. Juni dem Generalissimus vorlegte und in welchem er den Antrag stellte, den Kaiser zu bestimmen, sich für einen der nachfolgenden Ent­schlüsse auszusprechen: „a) Das Schicksal einer Hauptschlacht durch den Übergang über die Donau gleich dermalen zu wagen. „b) Die günstige Lage, in der wir uns bei so ansehnlich gesam­melten Kräften, nach einer zur Ehre unserer Waffen ausgefallenen Schlacht befinden, zix benützen, um mit der geringst möglichen Auf­opferung, vielleicht mit der Integrität, Frieden zu erhalten. ,,c) Den grossen Entschluss zu fassen, den Krieg gegen Russland und Frankreich zugleich fortzusetzen, und während wir zu diesem Ende den Erzherzog Ferdinand hinlänglich verstärken, um die Russen, noch ehe sie ihre Kräfte vereinigen, zu schlagen, hier an der Donau dem weiteren Vordringen der französischen Hauptmacht Schranken zu setzen.“ GM. Baron Wimpffen verkannte keineswegs die grossen Gefahren, welche jeder dieser drei Punkte in sich barg, war aber auf das entschie­denste sowohl gegen ein weiteres Zuwarten, als auch gegen eine Haupt­schlacht am rechten Donau-Ufer. Seine Überzeugung schien sich mehr dem 3. Punkte zuzuwenden und fand in dieser Hinsicht die kräftigste Unterstützung bei dem Minister Grafen Stadion, der ihm in einem Schreiben ddo. Wölkersdorf, 2. Juli 1809 seine volle Zustimmung aus­drückt, zugleich aber auch seinem Missmuthe über die Unthätigkeit am Kriegsschauplätze vollends die Zügel schiessen lässt: „Ich halte dafür, dass seit der Bataille bei Asparn manches sehr Wichtige dadurch versäumt worden ist, dass wir Alles und Alles der grossen Armee aufgeopfert haben, welche als eine thätige, wirkende Armee behandelt wurde, während sie seit beinahe sechs Wochen im Gegentheile mehr als ruhig gestanden und ohne irgend einer Wirkung auf die allgemeine militärische Lage der Monarchie geblieben ist. — Die Gründe, welche Euer Hochwohlgeboren angeführt haben, um die

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