Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Friedrich Spigl, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archive: Repressalien-Gefechte an der croatisch-türkischen Grenze in der Zeit von 1809 bis 1845

30 Repressalien-Gefechte an der croatisch-tttrkischen Grenze Der Nizam. Um diese Zeit begann eine Wandlung in dem Verhältnisse der Untertlianen zur Regierung und zu den türkischen Lehensträgern in Bosnien. Von langer Hand war die Pforte bemüht, sich in den Provinzen einen directen Einfluss zu verschaffen. Ein in diesem Jahre erschienener Nizam (Reform) sollte die Capitäne von Bosnien eines Theiles ihrer Gewalten entkleiden und den Statthalter damit investiren. Als Compensation erhielten jene die höhere Charakterisirung „Muteselim“. Die Regierung, welche über keine Zwangsmittel verfügte, um der decretirten Reform Geltung zu verschaffen, stiess auf den hartnäckigsten Widerstand und ihre Ver­ordnungen blieben ohne Wirkung. Nicht nur die Capitäne und Begs, welche von ihrer bisherigen Machtstellung wirklich viel einbüssten und sich daher als Grundherren und Lehensträger in ihren herkömmlichen Rechten verkürzt sahen, sondern auch die Landbevölkerung lehnte sich gegen die Ausführung des Nizam auf, weil sie darin eine Tendenz zur allmäligen Beschränkung ihrer wüsten Lebensweise erblickte. Indessen führten schon die nächsten Folgen des darüber ausge­brochenen Streites zwischen Regierung und Unterthanen, in welchem die erstere auf der Ausführung der Reform beharrte, ohne sie erzwingen zu können, letztere, indem sie die Unterwerfung verweigerten, zu einer Schwächung der Macht der rebellischen Lehensträger. Diese, bisher unumschränkte Gewalthaber, waren nach dem Nizam auf eine freiwillige Bannerfolge ihrer Untergebenen (der Agas und gemeinen Türken) beschränkt. Sie erkauften aber die Willfährigkeit derselben durch Gewährung von Ausschreitungen und Beschützung der Übel- thäter. Der letzte Rest loyalen Einflusses seitens der Grundobrigkeiten auf die Massen fiel den ohnmächtigen Reformtendenzen der Regierung zum Opfer und die bisher ohnehin unerträglichen chaotischen Zustände erfuhren, durch die jetzt noch geschaffene Anarchie, eine weitere Ver­schlimmerung. Waren die Capitäne in der Zeit, als die Regierung noch nicht daran dachte, ihre Machtvollkommenheiten anzufechten, in ihren nach­barlichen Fehden und Kämpfen gegen die Veziere des Grossherrn, auf Captivirung der Volksgunst angewiesen, so waren sie in der Ära des Nizam von derselben ganz abhängig. Auf diesen Umschwung mag einestheils wohl auch der Sinneswechsel des Capitäns Besierevic in der Affaire von Gross-Kladus zurückzuführen sein; unzweifelhaft war der Capitän von Bihac, Muteselim Biscevic, in dem Conflicte mit den Türken von Izacic, seinem Einflüsse ganz verfallen. Dieser Capitän war nach dem Gefechte bei Terzac in aner- kennenswerther Weise beflissen, sein damaliges Betragen wieder gut­zumachen. Er verfügte sich mehrere Male persönlich an den Otocaner

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