Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Original-Briefe König Friedrich's II. im k. k. Kriegs-Archive zu Wien

Originalbriefe König Friedrich’s II. im Kriegs-Archive zu Wien. 343 des Regiments Splényi verfehlten zwar den Wagen des Königs, hatten aber durch ihre Verwegenheit die Feinde eingeschüchtert und, wie man sagt, sogar in Friedrich II. eine Scheu vor dem Glatzer Lande erzeugt, welches ihm bald zur Grabstätte geworden wäre. In den ersten Tagen des nächsten Monats unternahm der uner­müdliche Lentulus eine Vorrückung über Wartha, um die Aufmerk­samkeit des Feindes noch mehr auf sich zu lenken und dadurch die Abführung der Kriegsgefangenen *) aus der Festung Neisse nach dem Spielberge in Brünn zu begünstigen, welches Beginnen nach Wunsch gelang (März 1741). Von dem Vorstosse über Wartha heimgekehrt, erhielt General Lentulus das Commando über die in der Gegend von Königgrätz vertheilten Truppen, nämlich das Infanterie-Regiment Max Hessen, Thoile der Infanterie-Regimenter Kolowrat und Carl Lothringen und das Dragoner-Regiment Batthyányi. Mittlerweile war Feldmarschall Neipperg mit 15.000 Mann end­lich in Schlesien und, ausserordentlich langsam marschirend, vor Neisse angekommen (5. April 1741), wodurch er den Feind veran- lasste, die Cernirung von Brieg aufzuheben. Ohne sich um die wich­tigen Magazine von Oblau, deren Wegnahme dem Feldzuge viel­leicht die Entscheidung gegeben hätte, zu kümmern, legte Neipperg seine Truppen in der Gegend von Brieg in Quartiere, bis ihn der Angriff der Preussen zur Schlacht bei Mollwitz (10. April 1741) zwang, in welcher das österreichische Heer, ungeachtet der hervor­ragenden Bravour seiner Cavallerie, unterlag. Der Fcldmarschall retirirte nun gegen Neisse, wo er um seine Abberufung bat, ohne aber solche zu erhalten. * 1 Frankenstein retournirende und durch den preussisclien Obristlieuteiiant Baron v. Thürsfort (Wylicli von Diersford) geführte Esquadron von 95 Pferden wahr­genommen , so avancirte er darauf und attaquirte solche ganz vigoureux und tapfer anfänglich mit Feuergewehr unweit des Dorfes Baumgarten und ohngeachtet selbige augenblicklich ein Quarre geschlossen und starkes Feuer auf die Huszáron (deren doch hieselbst nur 2 todtgeschossen wurden) gemachet, solches jedennoch mit dem Säbel in der Faust auf allen Seiten zugleich aniiel und dergestalten in confusion brachte, dass die Grenadiers nacheinander ausrissen und sich mit der Flucht zu retten suchten, hingegen durch die Huszárén solchermassen eingeholet wurden, dass von diesen 95 Köpfen kaum 8 oder 9 (wobei auch ” der Obristlieutenant und Lieutenant befindlich) sich mit harter Noth salviren können, der Rest aber nebst dem Hauptmann und 2 Fähnrichs ausser 16 Gefangenen (worunter 1 Corporal, 1 Fahnen - Schmied, 1 Tambour und 13 Gemeine) massacriret, zugleich auch 1 Estandarte, 2 Trommeln und 35 Pferde erbeutet, so heute durch die mit preussi- schen Grenadiers-Mützen bedeckte Huszárén allhier eingebracht wurden. Und weilen die jüngstens unterm 19. dieses in Schönwalde überfallenen Grenadiers ä clieval von dieser nämlichen Esquadron gewesen, so ergibt sich, dass solche bei dieser Bewandtniss völlig übern Haufen geworfen worden. Unserer Seits sind 3 Todte und 6 Blessirte, deren einer heute gestorben, nicht weniger 3 Pferde verloren gegangen.“ !) Unter diesen befanden sich der Graf Arco und der Baron Reisewitz, welche Beide den Unternehmungen Friedrich’s II. in Schlesien Vorschub geleistet hatten. Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1881. 24

Next

/
Oldalképek
Tartalom