Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Original-Briefe König Friedrich's II. im k. k. Kriegs-Archive zu Wien
344 Originalbriefe König Friedrich’s II. im Kriegs-Archive zu Wien. Das Resultat der Schlacht von Mollwitz hatte das Bündniss von Nymphenburg zur Folge (22. Mai 1741), in welchem sich die Feinde Maria Theresia’s zur Zertrümmerung Österreichs vereinigten, während England durch Lord Hyndford auf Basis der Abtretung Nieder- Schlesiens einen Frieden mit Preussen zu vermitteln strebte, um die Streitkräfte der Königin gegen Bayern und Frankreich ungetheilt verwenden zu können. Eine Folge der Bemühungen Hyndford’s war die Einsetzung einer Commission zur Auswechslung der Kriegsgefangenen zu Grottkau, zu welcher der General-Wachtmeister Lentulus als Bevollmächtigter Österreichs delegirt wurde (30. Juni 1741). Endlich wich Maria Theresia den Vorstellungen Grossbritanniens, und am 9. öctober 1741 wurde von Friedrich II., Hyndford, Neipperg und Lentulus auf dem Starhemberg’schen Schlosse Kleinschnellendorf eine geheime Convention geschlossen, laut welcher Nieder-Schlesien an Preussen abgetreten werden und die wichtige Festung Neisse nach einer Scheinbelagerung von 14 Tagen capituliren sollte. General-Wachtmeister Lentulus ging am 13. October 1741 nach Wien, um über den Vertrag von Kleinschnellendorf Bericht zu erstatten, während von Neipperg 3 sechs- pfündige Geschütze mit einem entsprechenden Vorrathe von Munition nach Glatz gesendet wurden. Da einem Theil der preussischen Armee das Überwintern in Öber-Scldesien bewilligt worden war, zog sich das österreichische Heer nach Mähren zurück, und am 31. October 1741 ergab sich vertrags- mässig Neisse. Friedrich 11. hat niemals ernstlich an die Erfüllung des Pacts von Kleinschnellendorf gedacht! Dem Prinzen Leopold von Dessau befahl er, mit 10 Bataillonen und 40 Schwadronen nebst entsprechender Artillerie nach Glatz vorzudringen und sich dieser Festung und der durch sie beherrschten wichtigen Strasse nach Böhmen zu bemächtigen (22. October 1741). Bald folgte ein Vertrag des Königs mit dem Kurfürsten von Bayern (4. November 1741), welchem letzteren gegen Abtretung der angeblichen Rechte Bayerns auf die Grafschaft Glatz die Kurstimme von Brandenburg bei der Kaiserwahl zugesichert wurde. Endlich drang die preussische Hauptarmee nach Mähren vor und besetzte unter dem Feldmarschall Schwerin das von Truppen cntblösste Olmütz (26. December 1741). Indessen behauptete sich in Glatz der Oberstlieutenant Josef Philibert de Fontanella mit 2000 Mann standhaft gegen den überlegenen Feind. Zwar musste die Stadt am 14. Jänner 1742 aufgegeben werden, die Besatzung, nur noch 1500 Streiter zählend, zog sich aber in die Festung zurück, wo sie bald an Wasser und Lebensmitteln Mangel zu leiden anling. Fontanella schloss in seiner Noth mit den Preussen ein Übereinkommen, wonach er nichts gegen die Stadt, sie nichts gegen die Festung unternehmen sollten, bis österreichischer