Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

Der Krieg mit der Pforte 1736—39. abhing '). Der Hofkriegsrath liess es auch nicht an Aufforderungen zu grösserer Thätigkeit auf dem Kriegsschauplätze fehlen, allein Secken­dorf beantwortete sie alle mit umfangreichen Memoires über die Noth- wendigkeit seines Verbleibens bei Nissa; über die Verbesserung des Verpflegswesens; eine neue Grenzeinrichtung; die Modalitäten des Beziehens der Winterquartiere in den eroberten Landstrichen und viele andere Themata, die Zeugniss geben von dem ausserordentlichen Auf- wande an Zeit und Kraft, den damals das Kanzleiwesen absorbirte. Mittlerweile traten die nachtheiligen Folgen eines plötzlichen Stillstandes in den Operationen um so intensiver hervor, als gerade den eigenthümlichen Verhältnissen des Gegners und des Landes gegen­über nur eine energische Activität zum Ziele führen konnte. Der längere Aufenthalt einer grösseren Truppenmasse auf einem ressourcenarmen, kleinen Raume wirkte zuerst ungünstig auf die Ver- ptlegs-Verhältnisse, über denen überhaupt ein eigener Unstern waltete. 10.000 Centner Mehl und eben so viele Metzen Hafer, die auf Befehl Seckendorfs von Passarowitz nach Nissa abgingen, verschwanden spurlos auf dem Wege dahin; anderseits wurden ganz ohne Grund für das, damals kaum 9000 Mann starke Corps Khevenhüller 65.000 Centner Mehl über Orsova nach Widdin gesendet, wo doch der Wochenbedarf für die ganze Armee auf nur 10.000 Centner berechnet war. In Folge dieser Zwischenfälle litt die Armee bei Nissa empfind­lichsten Mangel und war genöthigt, auf Kosten der künftigen Vcrpro- viantirung dieses Platzes zu leben. Pferde und Zugvieh fielen in Folge ungenügender Fütterung massenhaft und verpesteten mit ihren Cadavern die Luft derart, dass trotz dreimaligem Lagerwechsel bösartige Krank­heiten unter den Truppen und der Besatzung von Nissa auftraten. Weit gefährlicher aber war noch der Umschwung, welcher in der Stimmung der Bevölkerung sowohl, als in dem Verhalten des Gegners unverkennbar sich vollzog. Die christlichen Bewohner Albaniens und der angrenzenden Pro­vinzen, die sich während des Vormarsches der kaiserlichen Armee rückhaltslos für den Anschluss an dieselbe erklärt hatten, stellten nun, misstrauisch gemacht durch die Unthätigkeit ihrer Befreier, schwer erfüllbare Bedingungen. Eingeschüchtert durch die Ereignisse von Pristina, dessen vor­schnelle Erhebung für den Kaiser die Türken mit der Niedermetzelung von mehreren hundert Einwohnern beantworteten, und im Hinblick auf die drückenden Requisitionen, unter denen die bereits occupirten Districte litten, forderten sie, dass die kaiserlichen Truppen vorerst die vor­wiegend von Mohamedanern bewohnten Districte bleibend besetzen und sich aus den eigenen Magazinen verpflegen sollten. So wie sich ‘) Kriegsrath Koch an Graf Wallsegg. Wien, 17. August. Kriegs-Archiv 1737; Fase. VIII. 80. 312

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