Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

II. Der Feldzug von 1737. 297 In der ersten Bestürzung allerdings, wo die Tragweite des Ereignisses nur schwer zu erkennen war, zogen sich alle übrigen Abtheilungen mit Ausnahme jener des Banus, der Buzim blockirt hielt, über die Grenze zurück und schützten dieselbe durch weit­läufige Verhaue in den ausgedehnten Waldungen. In richtiger Würdigung der Verhältnisse schlug Prinz Hildburg - hausen das Ansuchen Stubenberg’s um Verstärkung rund ab, indem er darauf hinwies, dass die 40.000 Grenzer, welche der dortige District aufzubringen verpflichtet sei, im Vereine mit den regulären Truppen hinreichend seien, um sich in der Defensive mit Erfolg zu behaupten. Von dem beabsichtigten offensiven Wirken der in Croatien befind­lichen Truppen konnte unter den obwaltenden Umständen ohnehin keine Bede mehr sein. Obwohl hiemit schon eine der Vorbedingungen des, von Feld­marschall Seckendorf entworfenen Planes unerfüllt bleiben musste, war dies für den Prinzen Hildburghausen kein Hinderniss, die dem Hauptcorps vorgezeichneten Operationen durchzuführen und zunächst zur Belagerung Banjaluka’s zu schreiten. Banjaluka bestand aus dem am linken Ufer des hier ungefähr 30 Schritt breiten, aber tiefen und reissenden Vrbas liegenden Castelle oder der sogenannten Festung und den Vorstädten, auch „Varos“ genannt, die sich beiderseits des Flusses hinzogen. Beide Stadttheile waren durch eine permanente Jochbrücke verbunden, die vom rechten Ufer durch das „Wasserthor“ in die Festung führte. Die bastionirte, 6—8™ hohe und bei 2m dicke Umfassungsmauer mit vorgelegtem tiefen Wassergraben, umschloss einen fast trapezförmigen Innenraum von 500 und 200 Schritten Seitenlange, in dem sich mehrere Baulich­keiten befanden. Am linken Ufer dominirte der kahle Lausberg, am rechten der bewaldete Jllasko-brdo die Stadt und das Castell im wirk­samen Ertrage schwerer Geschütze. Die Besatzung soll den einge­langten Berichten nach 5000 Mann betragen haben. Über die Gesammtstärke der türkischen Streitkräfte in Bosnien konnte keine Gewissheit erlangt werden. Während die kaiserlichen Com- mandanten an der unteren Save den Gegner auf 30.000 bis 70.000 Mann schätzten, bezifferte FML. Stubenberg denselben auf 30.000 Mann, fügte aber bei, dass ganz Bosnien in Waffen stehe. Endlich liefen auch gleich nach der Ankunft der kaiserlichen Truppen vor Banjaluka Kundschaftsnachrichten des Inhaltes ein, dass der Pascha von Travnik sich mit den Banden von Türkisch-Croatien vereinigt habe und nun, 30.000 Mann stark, zum Entsätze heranrücke. Obwohl all’ diese Nachrichten das Gepräge einer zufälligen oder absichtlichen Übertreibung an der Stirne trugen, so wies doch ander­seits das Verhalten der Besatzung von Banjaluka, welche die am 23. erfolgte Aufforderung mit Kanonenschüssen erwiderte, darauf hin, dass 21*

Next

/
Oldalképek
Tartalom