Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

II. Der Feldzug von 1737. 291 Indess zeigte es sich schon jetzt in voller Schärfe, dass die Terrain- und Communications-Schwierigkeiten, welche als Hauptmotive für das Aufgeben der Operation gegen Widdin dienen mussten, sich im Morava-Thale in nicht geringerem Maasse vorfanden. Ununterbrochener liegen hatte die Strassen unfahrbar gemacht; Hochwasser bedrohten die .Pontons-Brücke und zwangen sogar am 12. mehrere Regimenter zum Verlassen ihrer Lagerplätze; die Fortsetzung des Marsches musste aufgeschoben werden und die Operationen selbst waren in Frage ge­stellt, da die Mitwirkung der schweren Artillerie höchst zweifelhaft war. Da keine Vorbereitungen für die Benützung der Morava als Communicationsmittel getroffen waren, bildeten nun deren Ufer Wild­nisse, die den Schiffzug nahezu gänzlich ausschlossen, während dem Landtransporte die Grundlosigkeit der Wege entgegenstand. Um 16 halbe Karthaunen, 8 Quartierschlangen und 18 Polier, im Ganzen also 42 Geschütze nebst der nöthigen Munition zu transportiren, waren nach der Berechnung des Artillerie-Obersten Fischer nicht weniger als 2000 unbespannte Wagen und 10.000 Stück Zugvieh erforderlich. Es war kaum daran zu denken, einen solchen Bedarf aus dem schwach besiedelten Lande zu decken, wenn auch der General-Kriegscommissär Graf Nesselrode den Auftrag erhielt, dies binnen 10—12 Tagen zu bewirken. Alles, was vorläufig geschehen konnte, beschränkte sich darauf, die Artillerie von Belgrad nach Semendria zu schaffen und sie von dort so weit als' thunlich die Morava aufwärts zu führen. Feldmarschall Seckendorf traf inzwischen Vorkehrungen, um sich Nissa’s, welches nur schwach besetzt sein sollte, mit dem Feldgeschütze allein zu bemächtigen, und trug Sorge für die Ausbesserung der Wege, um in Ravna ein Proviant-Magazin etabliren zu können. Erst am 13. und 14. konnte der Vormarsch nach Paracin fort­gesetzt werden, wo sich am 15. die gesammte Armee, einschliesslich der Feld-Artillerie, concentrirte und 3 Huszaron-Regimenter über den Crnica-Bach auf feindliches Gebiet vorschob. Am Abend des 14. Juli wurde die Kriegserklärung in Nissa übergeben; die Feindseligkeiten hatten aber thatsächlich an anderen Punkten des Kriegsschauplatzes schon früher begonnen. Feldmarschall Seckendorf hatte zur Sicherung seiner rechten Flanke den Oberstlieutenant Valvasor mit 1 Bataillon und 1000 Milizen über Valjevo detachirt, während der Commandant von Belgrad, FZM. Marulli, den Generalmajor O’Mulrian zur Deckung der Grenze und Recognoscirung über Sábáé gegen Prnjavor vorschob. Unbekannt mit den Hindernissen, welche die Übergabe der Kriegserklärung verzögerten, überfiel Oberstlieutenant Valvasor, von O’Mulrian unterstützt, am 12. Juli die türkische Schanze Lesnica und vertrieb die Besatzung.

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