Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

292 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. Bei der Hauptarmee hatte FML. Miglio mit 1600 deutschen Pferden, 200 Huszárén und 12 Grenadier-Compagnien, unter Commando des Herzogs Franz von Lothringen, nebst 6 Feldstücken, in der Nacht von 15.—16. Kasan, am 17. Alexinac und am 18. Banja besetzt, deren schwache Besatzungen sich ohne Widerstand ergaben. Während dieser kleinen Expeditionen lagerte die Armee bei Paraein und schob Recognoscirungs-Abtheilungen gegen Nissa vor. Den Vormarsch gegen diesen Platz glaubte jedoch Feldmarschall Secken­dorf nicht eher beginnen zu können, bis nicht das Magazin zu Ravna mindestens einen einmonatlichen Vorrath gesammelt haben würde. Die Übergabe der Kriegserklärung hatte nicht verfehlt, die türki­schen Behörden in die grösste Bestürzung zu versetzen. In einem Schreiben, welches ein Oberst der Spaliis am 18. dem Grafen Secken­dorf überbrachte, sprach der Pascha von Nissa sein Erstaunen über den so unvermittelten Umschlag der gegenseitigen Beziehungen aus: die Türken wüssten nichts vom Kriege, sondern hofften auf die fernere Erhaltung des Friedens, den sie stets treulich gehalten und keinerlei Ursache zum Kriege gegeben hätten. In dieser Überzeugung wären auch gar keine Vorbereitungen zum Kriege getroffen worden; Nissa zähle ausser einigen Invaliden kaum 500 Mann Besatzung und sei wehrlos gegen einen solchen Überfall. Der Pascha hoffe von dem Billigkeitsgefühle des Feindes, dieser werde ihm 10 Tage Frist ge­währen, um hinsichtlich dieses, so ganz unerwarteten Vorfalles In­structionen eiuholen zu können. Feldmarschall Seckendorf schlug dies Begehren rund ab; man suche — sagte er — keine Eroberungen, aber es könne Niemand von ihm verlangen, dass er an der Spitze von 80.000 Mann müssig sitze: der Pascha möge der Klugheit folgen, sich unterwerfen und das Weitere den Friedensverhandlungen anheimstellen. Thränenden Auges vernahm der Spain diesen Bescheid, äusserte jedoch vor seinem Abgohen, dass der Pascha mit allen Kadis und Agas beschlossen habe, sich ohne Widerstand zu ergeben, sobald die kaiser­liche Armee vor Nissa erscheinen würde. Wie sehr diese Nachrichten auch ein unverweiltes Vorgehen nahe legten, so glaubte doch Feldmarschall Seckendorf dies nicht früher wagen zu dürfen, bevor nicht ein in Alexinac zu etablirendes Proviant- Magazin die Verpflegung der Truppen sicherte. Die bisherigen Erfahrungen, welche zeigten, dass, ungeachtet die eisernen Feldbacköfen zu Ravna täglich 40—50.000 Portionen Brod erzeugten, die Truppen in Folge der durch die Witterung unsicheren Zufuhr dennoch Mangel litten, Hessen die Vorsicht des Armee-Com- mandanten allerdings in mancher Hinsicht als berechtigt erscheinen. Um jedoch den günstigen Moment nicht ganz zu versäumen, erhielt Feldmarschall Graf Philippi den Auftrag mit 6 Cavallerie-Regimentern,

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