Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
II. Der Feldzug vuu 1737. 289 über aussprach, dass sich die Armee in Folge der neuen Operations- Richtung von der Donau entferne *). Die Art, wie Seckendorf seinen Plan einleitete, schloss die Möglichkeit aus, durch eine Entscheidung von Wien in der Durchführung desselben gehemmt zu werden. Die Erfassung der Idee einer Operation im Morava-Thale unmittelbar nach seiner Ankunft in Belgrad, wo er doch kaum schon die persönliche Überzeugung von der Unmöglichkeit eines Angriffes auf Widdin gewonnen haben konnte; die unauffällige, gleichwohl aber sehr bestimmt durchgeführte Einleitung der Vorbereitungen berechtigt nebst vielen Anderem zu der Annahme, Seckendorf habe schon von Anfang an planmässig dahin getrachtet, die kommende Entscheidung des Kaisers vor eine Reihe vollzogener That- sachen zu stellen. Der fernere Verlauf entkräftet diese Annahme keineswegs, denn als das kaiserliche Rescript am 13. Juli im Hauptquartiere einlangte, stand die Armee concentrirt unfern der Südgrenze Sei’biens, die sie nur in Folge Ungunst der Witterung noch nicht überschritten hatte. Obwohl durch die Verhältnisse durchaus nicht zu überstürzender Hast gedrängt, führte der Feldmarschall eine so folgenschwere Änderung des ursprünglichen Operations-Planes ganz selbständig durch, ohne der Instruction gemäss den Kriegsrath zu berufen, ja selbst ohne den Generalen auch nur eine Andeutung über das Ziel und die Motive seines Handelns zu machen *). Gleichzeitig mit dem Bericht nach Wien ergingen überall hin die Befehle für den Vormarsch. Sowohl FZM. Prinz Hildburghausen als auch FZM. Wallis wurden verständigt, am 12. Juli bereit zu sein, *) Vielseitig wird behauptet, Seckendorf sei durch einen directen Befehl des Kaisers, den der Herzog Franz von Lothringen zur Armee gebracht haben soll, wider seinen Willen und zu seiner grössten Bestürzung gezwungen worden, im letzten Augenblicke das Operations-Object zu ändern. Die „Lebensgeschichte des Grafen von Schmettau“ bringt sogar S. 24—25 den „Wortlaut“ dieses angeblichen kaiserlichen Handschreibens. Es ist nicht einmal nothwendig, auf die vielen Widersprüche hinzuweisen, in denen obige Behauptung mit den Thatsachen steht, wie z. B. dass der Herzog von Lothringen am 22. (nach Schmettau erst am 27.) Juni in Belgrad eintraf, während Seckendorf schon am 21. entschlossen war, nicht nach Widdin, sondern nach Jagodin zu marschiren • es genügt, als vollgültigen Beweis die Stellen aus den gerichtlichen Untersuchungsacten anzuführen, welche von diesem Gegenstände handeln. Dort wird im 1., 2. und 5. Anklagepunkte Seckendorf die willkürliche Änderung des Operations-Planes und die Zersplitterung der Armee zum schwersten Vorwurfe gemacht, und doch erwähnt dieser in seiner Vertheidigung mit keinem Worte eines kaiserlichen Befehles, der ihn doch jeder Verantwortung enthoben hätte. Er beruft sich vielmehr auf die Elementar-Hindernisse und die nachträgliche Billigung seines Vorhabens durch den Hofkriegsrath und sagt: er habe den Zug gegen Nissa nur aus „Noth“ unternommen, um dem ungeduldigen Drängen des Kaisers gegenüber nicht noch länger unthätig zu bleiben. 2) Seckendorf’s Untersuchung»-Acten: Aussage des Feldmarschall • Grafen Philippi. Kriegs-Archiv 1737.