Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

288 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. mit nicht mehr als 1000 Mann besetzt wäre, „zu herennen, einzu- schliessen, zu belagern und zu nehmen“. Alle Bewohner der occupirten Landstriche, die sich unter kaiserlichen Schutz begeben, seien zur Versicherung ihrer Treue mit Weib, Kinder und Vieh in das Banat zu schicken. Während der Operationen nach Süden müsste die Timok-Grenze durch eine Postirung deutscher Truppen und der 1445 Mann starken serbischen Landmiliz gesichert und der Bau der projectirten Strasse über Majdanbek vollendet werden. FML. Baron Thüngon sei bereits dahin abgesendet worden, um die nöthigen Vorkehrungen zu treffen. Das siebenbürgische Corps endlich müsste nicht nur Siebenbürgen und die österreichische Walachei decken, .sondern sich auch der Lovista ') und des Klosters Argis bemächtigen und soweit als möglich in die türkische Walachei Vordringen. In Wien war die Überraschung keine geringe, als dieser neue Operationsplan zu einer Zeit einlangte, wo man die Armee schon im vollen Marsche gegen die Morava wähnte. Während alle Vorkehrungen für eine Operation gegen Widdin theils schon getroffen, tlieils in der Ausführung begriffen waren, verlangte der Oberfeldherr nun plötzlich durch das Morava-Thal gegen Süden vorzugehen, wo nicht die min­desten Anstalten den gesicherten Marsch und die Erhaltung einer zahlreichen Armee verbürgten, die Communications-Schwicrigkeiten aber voraussichtlich kaum viel geringer sein konnten als auf der für unpraktikabel erklärten Linie Passarowitz - Majdanbek - Widdin. Endlich schloss die Durchführung der Pläne Seckendorfs eine Zer­splitterung der Kraft in sich, die unter Umständen von den bedenk­lichsten Folgen sein konnte. So wenig war man mit den Projecten Seckendorfs einverstanden, dass Feldmarschall Graf Königsegg sich veranlasst sah, einen ganz neuen Plan vorzulegen, wonach weder Nissa noch Widdin anzugreifen sondern die gesammte Kraft auf Bosnien und Albanien zu concen- triren gewesen wäre, während starke Observations-Corps an der Morava, der Donau und in der kleinen Walachei die Operationen der Haupt­armee decken sollten. Die Mehrheit der Hofkriegsräthe und auch der Kaiser fühlten aber, dass die Zeit bereits zu weit vorgeschritten sei, um so durchgreifende Änderungen vorzunehmen, und dass endlich zur That geschritten werden müsse, sollte nicht über endlosen Ent­würfen die Zeit zum Handeln verloren gehen. Es erübrigte also nur, Seckendorf die Bewilligung zur Durch­führung seines Projectos zu ertheilen, jedoch nicht ohne ihm zu bemerken, wie man eine andere und raschere Einleitung der Opera­tionen erwartet habe, und der Kaiser eigenhändig sein Bedauern dar­') Gebirgiges Grenzland am Eintritte der Aluta in die Walachei.

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