Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
II. Der Feldzug von 1737. 287 Wenn Seckendorf dem russischen Fcldmarscliall Münnich angelegentlich Behutsamkeit und Vorsicht empfiehlt, und aus den zwei letzten Türkenkriegen, welche so leuchtende Beispiele genialer Kühnheit, wie Zenta, Peterwardein, Temesvár und Belgrad aufweisen, den Erfahrungssatz ableitet, „dass diejenigen von unseren Generalen, welche nicht mit grosser Vorsichtigkeit den Feind erwartet und angegriffen, bekannter- massen nicht allzuglücklich wegen ihrer Übereilung gewesen“, — so erlaubt dies wohl kaum einen Schluss auf eine allzustürmische Initiative. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Belgrad, am 12. Juni, berichtete Feldmarschall Seckendorf an den Hofkriegsrath, dass die Infanterie und Cavallerie am 16.—17. Juui vollzählig auf ihren Sammelplätzen sein würde, dass aber die Hochwasser dermal weder bei Sémiin noch bei Uj-Palanka einen Uferwechsel gestatteten, mithin die Armee nicht früher als am 21. oder 22. bei Belgrad concentrirt sein könne. Am 21. spricht der Feldmarschall die Absicht aus, so rasch als möglich gegen die Morava vorzugehen, dies aber, weil bei Passarowitz Alles überschwemmt sei, in der Richtung nach Jagodin auszuführen, wohin er schon am 13. den Generalmajor Doxat zur Recognoscirung und Anlage eines Proviant-Magazins abgesendet habe. Bevor jedoch ■ diese Projecte zur Ausführung gelangten, trat Seckendorf mit einem Plane hervor, der nicht nur den Ansichten der Majorität des Hofkriegsrathes, sondern auch seinem eigenen Votum direct zuwiderlief, und der in seiner Durchführung den ungünstigen Verlauf des Feldzuges bedingte. Am 24. Juni meldete der Armee- Commandant nach Wien, dass unaufhörliche Regengüsse die bereits horgestellten Übergänge neuerdings zerstörten und die Heranziehung des Corps von Uj-Palanka vorläufig ganz undurchführbar sei. Da unter solchen Verhältnissen an eine Vereinigung der Truppen bei Jagodin vor Ende Juni nicht gedacht werden könne, so stellte Seckendorf den Antrag, die beabsichtigte Überschreitung der Grenze auf den 12. Juli zu verschieben, an welchem Tage dann die Feindseligkeiten gleichzeitig in Croatien, Bosnien, Serbien und, wenn möglich, auch in der Walachei eröffnet werden würden. Nachdem ferner — seiner Ansicht nach — der Überschwemmung wegen eine Operation an der Donau vor zwei Monaten nicht möglich sei, so wäre eine solche nunmehr in der Richtung gegen Nissa vorzunehmen. Zu diesem Zwecke müsste sich die Armee möglichst rasch bei Jagodin concentriren und hätte die an der Strasse nach Nissa gelegenen Orte Alexinac und Rasan, sowie die festen Schlösser an der Drina und das wichtige Uzica wegzunehmen. Gleichzeitig wäre eine Abtheilung nach Prizrend vorzuschieben, um Albanien zum Anschlüsse an Österreich zu bewegen. Ein starkes Detachement mit schwerer Artillerie rückte sodann vor Nissa, um diesen Platz, falls er, wie die Kundschafter versichern,