Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
284 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. Commandant den Auftrag, einen Operations-Plan auszuarbeiten, jedoch unter steter Rücksicht auf die, den auswärtigen Mächten gemachten Darstellungen, auf der Basis, dass der Kaiser nur als Russlands Bundesgenosse zu den Waffen greife. In Folge nachträglicher Vereinbarungen mit Russland enthielt die Instruction Seckendorfs, in theilweiser Abänderung des ursprünglichen Operations-Tractates die Ermächtigung, die Operationen also- gleich zu beginnen, wenn er verlässliche Nachricht erhalten haben würde, dass die Russen die Grenze überschritten hätten; das Eintreffen derselben vor Oczakow sei aber nicht abzuwarten. Vierundzwanzig Stunden vor Überschreitung der Grenze durch die kaiserlichen Truppen war die Kriegserklärung des Kaisers an die Pforte dem nächsten Pascha zuzusenden. Die Operationen selbst hatten in möglichster Übereinstimmung mit jenen der russischen Armee zu geschehen; vor wichtigen Entschlüssen war Kriegsrath zu halten und, wenn es die Zeit erlaubte, die Entscheidung über die nach Wien einzusendenden Vota abzuwarten, sonst aber conform der Ansichten des Kriegsrathes nach Ermessen zu handeln. In Feindesland sei gute Zucht zu halten und durch vorausgeschickte Proclamationen den Griechen freie Religions-Übung, denen Türken aber Duldung zuzusichern. Mittlerweile musste die ursprünglich auf den 21. Mai festgesetzte Concentrirung der Armee auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden, da das fast allgemeine Austreten der Gewässer und andere Elementar- Ereignisse es vielen Truppentheilen nicht ermöglichte, früher als in der Hälfte oder Ende Mai den Marsch anzutreten. Da ferner die Auxiliar-Truppen nicht vor Ende Juni eintreffen konnten und auch die Recrutirung zu Anfang Mai noch nicht gänzlich durchgeführt war, so wurde beschlossen, die Haupt-Operationen erst nach völliger Concentrirung der Armee zu beginnen. In Folge dessen ging Feldmarschall Seckendorf erst am 30. Mai zur Armee ab und nahm den Wog über Croatien, um mit dem Prinzen Hildburghausen die Operationen des croatischen Corps festzustellen; wenige Tage später folgten die Herzoge Franz und Carl von Lothringen, welche Beide ohne Commando dem Feldzuge beiwohnen sollten. Für die Verwendung des croatischen Corps setzte Feldm^rschall Seckendorf folgende Grundzüge fest: Oberst Baron Raunach, Commandant von Carlstadt, sichert mit 300 berittenen und 3000 Grenzern zu Fuss, nebst 600 Mann deutscher Infanterie die Grenze im Westen und nimmt Stellung zwischen Udbina und Gracac in der Licca (Corbavia), bereit, auf den ersten Befehl Hildburghausen’s an die Unna vorzugehen, Vakup nehst den umliegenden Schlössern zu nehmen und dann nach den weitern Befehlen