Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Die Occupation Bosniens und der Herzegovina (1879)
Ereignisse vom Einmarsche bis zur Einnahme von Sarajevo
Einleitung der Operationen. 105 um den Schwierigkeiten der Lage immer und überall gerecht zu werden, gaben die inhaltsschweren Worte des Feldzeugmeisters vollen Ausdruck: „Ich erwarte von der ritterlichen, hingebungsvollen Haltung der Officiere in Wort und That das Beste — ich erwarte, dass die europäische Militärwelt nicht allein den durch Entbehrungen denkwürdig gewordenen russischen Balkan-Uebergang bewundern, sondern auch mit demselben Gefühle den Zug der österreichischen Truppen in Bosnien und der Hercegovina als Ausdruck der höchsten militärischen Tugenden citiren lerne.“ „Ich verspreche es ernstestens, dass die Verpflegung unausgesetzt der Gegenstand meiner Sorge sein soll, dass ich die Länge der Märsche im richtigen Verhältnisse zu den örtlichen Schwierigkeiten bemessen werde. Ich will aber auch, dass Jeder wisse, dass ich aus einem Brod nicht 7000 und aus Wasser nicht Wein zu machen in der Lage bin, andererseits Allerhöchsten Orts anbefohlen wurde, das Operations- Object möglichst schnell zu erreichen.“ Nachstehender am 27. Juli gleichzeitig mit oberwähnter Proclamation veröffentlichter „Corps-Befehl“ führte den Truppen die Ziele und den Charakter der ihnen gewordenen Aufgabe vor Augen, verhehlte aber gleichzeitig nicht die Schwierigkeit der Durchführung. „Soldaten!“ „Der Bürgerkrieg in seiner abschreckendsten Form, ein an unseren Grenzen fanatisch geführter Religions- und Racenkampf zwang Hunderttausende Flüchtlinge vor grausamer Verfolgung Schutz auf österreichischungarischem Boden zu suchen.“ „Seine Majestät der Kaiser, unser oberste Kriegsherr, nicht gewillt, das eigene Gebiet fremden anarchischen Bestrebungen als Tummelplatz preiszugeben und die endlich auch unsere Ruhe und Sicherheit ernstlich bedrohenden Wirren in den Nachbarländern noch länger zu dulden, haben im Einklänge mit sämmtlichen Grossmächten Europa’s und mit Zustimmung der Pforte beschlossen, diesem unheilvollen Zustande durch die Besetzung Bosniens und der Hercegovina in entschiedener Weise ein Ende zu machen.“ „Treu den Grundsätzen der Loyalität, die von jeher das Gepräge unserer Politik gebildet, ist es auch diesmal nicht Eroberungslust, sondern die unabweisliche Sorge für die eigene Wohlfahrt, welche uns die Grenzen des Reiches zu überschreiten gebietet.“ „Soldaten! Euere Aufgabe ist klar vorgezeichnet!“ „In einer Euch gleichzeitig bekannt gegebenen Proclamation wird den Bewohnern Bosniens und der Hercegovina in feierlicher Weise das Wort verpfändet, sie, unter der Bedingung williger Fügsamkeit in die von mir zu treffenden Massregeln, als aufrichtige Freunde behandeln, die Rechte jeder Nationalität und Religion, sowie bestehende Sitten und Gebräuche achten, Eigenthum und Hausrecht schützen zu wollen.“