Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Österreichs Kriege seit 1495 (1878)
Schlussbetrachtung und statistische Übersicht der Kämpfe Österreichs
Im Ganzen stellen sich die als bekannt und mit Sicherheit erhobenen, daher nachweisbaren Verluste auf beiden Seiten folgender- massen heraus ‘): Auf Seite der Kaiserlichen beziffert sich die Gesammtsumme der nur von 10 bedeutenden Actionen bekannten Verluste auf 22.348 Mann; auf Seite der Türken beträgt der bekannte Gesammtverlust von nur 14 bedeutenden Affairen 164.000 Mann. Es liegt wohl klar zu Tage, dass die Zahl der wirklichen Opfer in den bekanntermassen mit einem grausamen und blutgierigen Feind geführten Kriegen, dessen Nieder lagen zudem stets mit unverhältnissmässig grösseren Verlusten verbunden waren, in 69 Feldzugsjahren eine weit beträchtlichere go wesen sein müsse. Nimmt man daher für jedes der 69 Feldzugsjahre nur die sehr geringe Ziffer von 2000 Mann mehr hinzu, so ergäbe sich ein Totalverlust von mehr als 182.000 Mann auf Seite der christlichen Heere und 466.000 Mann auf jener der Türken. In vielen dieser Schlachten und Gefechte war die Überlegenheit des Feindes eine doppelte, ja selbst eine dreifache, und es ist eine eigentümliche Wahrnehmung hiebei, dass — Dank der grossen Disciplin und der besseren Führung bei den Kaiserlichen — die Siege häufig mit sehr geringen Verlusten errungen wurden, wogegen die Verluste auf Seite des Feindes um so grösser .waren. Frankreich. — Nächst diesem einstigen alten Erbfeind Österreichs und der Christenheit waren es die Franzosen, mit welchen der Kaiser im eigenen Interesse sowohl als in jenem Deutschlands viele und harte Kriege zu führen hatte. Die Summe der Schlachten, Treffen und sonstigen kriegerischen Ereignisse, welche die Österreicher in 86 Feldzugsjahren theils allein, theils im Bunde mit anderen Mächten gegen Frankreich bestanden haben, beläuft sich auf 3454 Actionen, unter welche 92 Schlachten und 106 Treffen zu rechnen sind. Von diesen entschieden sich für die Österreicher 110, für die Franzosen 88 günstig. Die Österreicher haben ') Es wäre ein müssiges Beginnen und vergebliche Miibe, auch nur annäherungsweise die wirkliche Zahl aller Opfer an Menschen genau erheben zu wollen, welche die Kriege von vierthalb Jahrhunderten gefordert hatten. Die Unverlässlichkeit der historischen Angaben, welche meist nur vom Hörensagen, nicht aber aus authentischen Berichten geschöpft sind, können hier nicht zur Grundlage dienen; diese Nacliwoise sind selbst auf eigener Seite häufig unvollständig und auf Seite der Gegenpartei nicht immer mit offener Wahrheit dargelegt. Namentlich haben es die Franzosen seit jeher nie unterlassen, auf Kosten der Wahrheit ihre eigenen Verluste auf das möglichst geringste Mass zu verkleinern oder sie ganz zu verschweigen. Damit ist nun auch erklärt, weshalb in der Aufzähiung der Kriege Österreichs die Verlnstangaben nur spärlich vertreten sind. Nur da, wo mit ganzer oder ziemlicher Verlässlichkeit solche Daten aus officiellen und sonst glaubwürdigen Quellen geschöpft und nachgewiesen werden konnten, wurden solche auch aufgenommeu. Eine Berechnung, auf blos angenommene — wenn auch wahrscheinliche — Zahlen gestützt, würde den Anstrich einer statistischen Spielerei gewinnen; selbe genügt auch in dieser calculativen Fassung als hinlänglicher Nachweis der grossen Zahl der erlittenen Verluste.