Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom üreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. 41 liehen Regimentes, dem die vielen Soldatenweiber mit ihren Kindern ununterbrochene Sorge und den widerwärtigsten Verdruss bereiteten, und die er nur mit Mühe im Zaume halten konnte, mochte sich darum nothgedrungen durch Erfahrung eigene Erziehungsprincipe gebildet haben, die mit jenen Kaiser Josef’s nicht leicht in Einklang zu bringen waren, und gegen welche der Hofkriegsrath anzukämpfen suchte. Die Sprache des damaligen Reglements, welche heutigen Tages selbst den Gleichgiltigsten erwärmen würde, blieb völlig unverstanden, und sie musste es bleiben, weil eben in den Begriffen der Mehrheit die Anknüpfungspunkte fehlten. Der Oberst, der Officier, welcher in stetem Contacte mit den Woibern und Kindern der Soldaten stand, musste es, so meinte man in der Armee, offenbar besser verstehen, wie mit denselben umzugehon sei, als die gelehrten Herren am grünen Tische zu Wien. Der Hofkriegsrath sah sich zu immer schärferem Einschreiten genöthigt, und der Erlass vom 12. März 1798 zeigt, wie eingehend man sich mit der Institution der Regiments-Erziehungshäuser befasste: „ .................................nach der allenthalben bestehenden Anordnung hab en die Knaben der Erziehungshäuser den ohnentgeltlichen Unter­richt in denen Normal-Provincialschulen zu bekommen; es hat aber hiebei jeder beim Erziehungshaus stehende Officier seiner Aufmerksam­keit nicht entgehen zu lassen, dass ein mehrere Stunden anhaltendes Schulsitzen, die Nachschulen im Erziehungshaus, überhaupt das lange anhaltende, besonders in einer solchen Jugend unnatürliche Lernen der Gesundheit schadet, dem Körper Kräfte benimmt; es ist ohnedem für jedes Erziehungshaus ein Militär-Lehrer aufgestellt, und es hat mithin auch jeder Officier das Mittel in der Hand, ein verständlich mit dem Normal-Schullehrer das etwaige zu lange Schulsitzen für die Soldaten­knaben abkürzen zu machen, überhaupt denen erklärten Gebrechen die Abhilfe zu verschaffen. Denen Regiments-Erziehungshäusern sind die Mittel und Gelegenheiten bereits erneuert beigebracht worden, wie sie ihre Erfordernisse in wohlfeilen Preisen überkommen mögen ; es ist aber auch beim Fach der Ökonomie immer auf den Umstand zurückzusehen, dass zu viel oder zu wenig Essen, die zu geringe Zubereitung der Speisen das Wachsthum hindert, mithin sowohl vor einem Hang nach Lieblingsgegenständen, vor übertriebenem Putz, vor doppelter Kleidung, vor besonderer Zimmereinrichtung, vor über­mässigem Exerciren, wozu Gewehr und Patrontaschen eigens angeschafft werden, als auch überhaupt vor solchen Ersparnissen sich zu hütten, die mit Sr. Majestät Gesinnung nicht zu vereinbaren sind und denen Knaben die nothwendige Nahrung entziehen. Wie denen Knaben Ordnung, Respect für ihre Vorgesetzten einzuflössen und sie an eine allenthalben und besonders im Militär nothwendige wohlgeordnete

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