Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. 39 und der Erziehung umfassenden, im Manuscripte vorhandenen „Regle­ment für die Regiments - Knaben - Erziehungshäuser“ noch folgende Stellen Raum finden: „Zur eigentlichen Erziehung, zur Bildung des Charakters kommen die Erzählungen, mit welchen der Lehrer zu Ende einer jeden Schule eine Viertel- oder halbe Stunde verwendet, und damit die Wissbegierde nicht einschläfere, hat sich der Lehrer nicht viele Tage bei einer Gattung der Erzählung aufzuhalten. Bemer­kungen aus dem Dienst-Regulament (stellte bekanntlich vortreffliche Grundsätze auf), vorgefallene Geschichten von Gnade und Menschen­liebe, dann Zuneigung für die Soldaten unseres Monarchen, Geschichte von gutgethanen, belohnt oder bestraften Soldaten, Begebenheiten von feindlichen Vorfällen, über besondere Tapferkeit bezeugter Helden, die Fabeln aus dem Aesop, de la Fontaine, mit Auslegung ihrer moralischen Bedeutungen werden dem Lehrer und seinen Erzählungen vielen Stoff geben: indessen wird folgendes überhaupt zur Richtschnur zu nehmen sein. Erstens, dass sich der Lehrer wohl hütte, denen Lehr­lingen Etwas von Gespenstern, Geistern oder anderen Schreckbildern vorzumalen, gewisse Orter oder die Nacht ihnen fürchterlich zu machen; überhaupt alle Ungereimtheiten und Mährlein, worauf sich die Kinderwärterinnen so viel zu Gute thun, müssen sorgfältig vermieden werden ').“ Nach zweijährigem Bestände hatten sich die Regimenter und Erziehungshaus-Commandanten mit dem neuen Organismus vertraut gemacht, und es zeigte sich die Fundation als so reichlich bemessen, dass die einzelnen Institute ansehnliche Summen als Ersparnisse an den Hauptfond abzuführeu vermochten. Der rein mechanische Theil functionirte nach so kurzer Zeit vortrefflich, doch zeigte sich ein gänzliches Verkennen des Geistes der neuen Josefinischen Schöpfung, wie dies aus einem Erlasse des Hofkriegsrathes an sämmtliche General - Commandanten hervorgeht: „..................................als bei einem Erziehungshaus ein Astrolabium, ein Messtisch, 26 Mappen, und 2 Globi, bei einem anderen musikalische Instrumente sich vor­gefunden haben, von einigen Regimentern Spinnräder eingeführt worden sind, und wieder ein anderes Erziehungshaus unter Anderem sich 318 Stricknadeln beigelegt hat.“ „Wenn man nun gegen diese Beispiele die Absicht hält, die dahin geht, dass aus der Jugend der Regiments-Erziehungshäuser weder Mathematiker noch Strumpfwirker, sondern gute und tüchtige Unter- officiere gezogen werden, und diesem noch den Unterricht hinzusetzt, der den Regimentern ordentlich erklärt worden, ist“ ........................ . . . „so wäre wirklich zu besorgen, wenn die Brigadiers nicht fest auf Seiner Majestät Absicht halten, die Regiments - Erziehungshäuser ') Registratur des Reiehs-Kriegs-Ministeriums; Fase. XXIII, Nr. 109.

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